Warum wir Flüchtlinge gegen Lager kämpfen

Liebe Freundinnen und Freunde, Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, Mein Name ist Bruno Watara und ich möchte Ihnen im Namen aller Flüchtlinge, die im Bündnis gegen Lager mitarbeiten erzählen, warum wir gegen Lager kämpfen: Wissen Sie, wie Lager in der offiziellen deutschen Sprache genannt werden? Sie werden „Gemeinschaftsunterkünfte“ genannt. Wir sagen, dieser Begriff ist eine Lüge!

Ich weiß wovon ich spreche, ich habe selbst 7 Jahre in einem Lager gelebt und eine „Gemeinschaft“ war das nicht. „Gemeinschaft“ das klingt nach „Wohngemeinschaft“. Genau das ist ein Lager nicht: Man lebt dort, weil man dazu gezwungen wird. Man lebt dort, mit Menschen die man nicht kennt. Die Regeln in einem Lager machen die Heimleitung und die Behörden.

Wissen Sie, was das für uns Flüchtlinge bedeutet? Es bedeutet wir werden wie Kinder behandelt: Wir dürfen nichts selbst entscheiden, Wir können nicht entscheiden mit wem wir unser Zimmer, unsere Küche und unsere Toilette teilen. Wir dürfen nicht entscheiden wann wir kochen, wann wir unsre Wäsche waschen. Wir dürfen nicht entscheiden wann wir Besuch bekommen und auch nicht von wem. Und natürlich kann das Personal im Lager jederzeit in unsre Zimmer kommen.

Wissen Sie, was das für uns Flüchtlinge bedeutet? Es bedeutet: Im Lager wiederholt sich das Trauma unserer Flucht. Wir können jederzeit von den so genannten „Sicherheitsdiensten“ und den Heimleitungen kontrolliert werden. Kontrollen wann wir kommen, Kontrollen wann wir gehen, Anwesenheitskontrollen- „Zimmerkontrollen“ Kontrolle hier – Kontrolle da…. In vielen Lagern wird sogar die Post kontrolliert und geöffnet. Niemand informiert uns, was eine Heimleitung darf und was nicht.
Oft droht die Heimleitung uns damit, dass wir Probleme mit den Ausländerbehörde und in unserem Asylverfahren bekommen, wenn wir nicht mit der Heimleitung kooperieren. Das alles erinnert uns an den Alltag in den Diktaturen und totalitären Regimen aus denen wir geflohen sind. Das alles soll uns klein machen und uns zeigen, dass wir kein Recht auf ein besseres Leben haben. Dazu sagen wir „Nein, wir lassen uns nicht klein machen! Wir haben ein Recht auf Asyl und ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben! Wir sagen: Lager müssen weg!

Wissen Sie, wie das Leben im Lager für Frauen ist? Die Frauen müssen zur Dusche und zur Toilette lange Flure entlanggehen. Meistens kann man die Duschen nicht abschließen, oft benutzen Männer und Frauen die gleichen Waschräume. Frauen haben deshalb keinen Schutz vor sexueller Gewalt. Manchmal sind es sogar die Angestellten im Lager, die Unwissenheit und Abhängigkeit von Frauen ausnutzen.

Wer das Leben im Lager kennt, weiß: Lager machen krank. Wenig Möglichkeiten selbst für Hygiene zu sorgen, schlechte Heizungen, Lärm zu jeder Tageszeit, Erzwungenes Nichtstun, Stress, Streit, Kontrollen, Angst vor Abschiebung und Übergriffen… Das alles macht körperlich und psychisch krank.

Lager sollen uns von der Bevölkerung isolieren. Man will uns die Möglichkeit nehmen mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Das lassen wir nicht zu! Wir lassen uns nicht isolieren! Wir kämpfen für unsere Rechte! Und: wir kämpfen gemeinsam mit anderen Menschen, die mit uns zusammen für Menschenrechte auch für Flüchtlinge kämpfen.

Kein Lager hier und nirgendwo! Pas de Camps ici, pas de Camps n‘importe où!