Deutsche Flüchtlingslager in der Presse

Vor dem Bundesweiten Aktionstag am 22. März haben in den vergangenen Wochen einige JournalistInnen bereits Flüchtlingslager in verschiedenen Bundesländern besucht und ihre Erfahrungen aufgeschrieben. Hier eine kleine lesenswerte Auswahl.

19.03.2011 Neues Deutschland
Nur raus aus dem Asylheim
Von Marina Mai. In Elbe-Elster und Oberhavel demonstrieren Asylbewerber am Dienstag für bessere Lebensbedingungen. In Elbe-Elster fordern sie die Schließung des Asylbewerberheimes Hohenleipisch. Die Unterkunft liegt in einem alten Militärobjekt zwischen Ruinen aus Wehrmachtszeiten. Wenn die Bewohner einkaufen wollen, müssen sie erst lange durch den Wald laufen und dann mit der Bahn fünf Kilometer nach Elsterwerda fahren. Zur Ausländerbehörde in Herzberg beträgt die Strecke 42 Kilometer. Manche Flüchtlinge müssen dort wöchentlich hin, um ihre Duldung zu verlängern – und die Fahrkosten selbst tragen. In Hennigsdorf wollen die Flüchtlinge aus dem überfüllten Heim in Wohnungen umziehen. »Es gibt keine Hausaufgabenräume für Kinder«, rügt Beate Selders vom Flüchtlingsrat Brandenburg. »Wir wollen aber auch erreichen, dass der Landkreis den Flüchtlingen ihre Sozialhilfe bar auszahlt und nicht in Form von Gutscheinen, die man nur in wenigen Läden einlösen kann.« Oberhavel ist einer von noch acht märkischen Kreisen, die Gutscheine ausgeben.
Die Proteste sind Teil eines ersten bundesweiten Protesttags gegen diskriminierende Gesetze für Flüchtlinge. In Brandenburg hat Rot-Rot immerhin letztes Jahr wie versprochen die Residenzpflicht gelockert. Die Vorhaben, Sozialhilfe in bar auszuzahlen und Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen, stehen aber aus. Lediglich die Prignitz hat inzwischen das Asylheim geschlossen und allen Bewohnern eine Wohnung vermittelt.
»Die Flüchtlinge, die zuvor weit abgelegen in einem verlassenen Militärobjekt gewohnt hatten, freuen sich, dass sie jetzt in der Stadt wohnen«, sagt Korina Baade-Dams vom Sozialamt. »Und der Landkreis spart die Kosten für den Schulbus. Die Asylbewerberkinder kommen zu Fuß in die Schule.«
In allen anderen Landkreisen wohnen laut Statistik zwischen 60 und 70 Prozent der Flüchtlinge in Wohnheimen. Sozialminister Günter Baaske (SPD) liegt eine Änderung persönlich sehr am Herzen. Die Entscheidung liege aber bei den Landkreisen, und die Landesregierung könne sie nicht zwingen. Baaskes Sprecher Gabriel Hesse sagt: »Als Argumente dagegen geben die Landkreise und kreisfreien Städte fehlenden Wohnraum und höhere Kosten an.«
Die Landtagsabgeordnete Bettina Fortunato (LINKE) will jetzt prüfen, ob die Kosten tatsächlich höher sind. Sie möchte sich außerdem dafür einsetzen, dass in die Vorgaben für Asylheime aufgenommen wird, »dass es keine Heime außerhalb von Ortschaften geben soll«.

22.3.2011 Neues Deutschland
Langer Weg zur Gleichberechtigung
Flüchtlingsinitiativen gegen Sondergesetze: Im Kampf gegen die Residenzpflicht und das Asylbewerberleistungsgesetz können Aktivisten und Betroffene erste Erfolge verbuchen, müssen aber auch Rückschläge hinnehmen.

22.3.2011 Junge Welt
Flüchtlinge gehen auf die Straße
Bundesweiter Aktionstag für Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes
[Der Bericht negiert die Initiative und Arbeit zahlreicher Gruppen indem behauptet wird die Initiative zum Aktionstag käme aus Thüringen. Vielmehr ist der 22.3. und die Abolish-Kampagne Ergebnis eines kollektiven Prozesses, der eher aus bayern mitinitiiert und nach der Frankfuter Konferenz Ende 2010 von vielen Gruppen aus ganz Deutschland gemeinsam getragen wurde. Anm.d.Red.]

19.03.2011 Brandenburg: TAZ
Fliehen mit dem Linienbus
„Das Flüchtlingsheim Waßmannsdorf bei Schönefeld ist eine Bruchbude, ein Wachmann soll hier einen Bewohner misshandelt haben. Trotzdem ist die ehemalige Kaserne als Unterkunft in Brandenburg nicht unbeliebt: Denn nach Berlin ist es nicht weit“

09.03.2011 Brandenburg: Märkische Allgemeine
Flüchtlingsfrauen fordern Schließung aller Asylheime
„Die Initiative „Women in Exile“ hat sich aus Anlass des gestrigen Internationalen Frauentags massiv über die Lebensbedingungen in Brandenburger Asylheimen beschwert. Vertreterinnen der Gruppe, die sich für die Rechte von Flüchtlingsfrauen einsetzen, übergaben Sozialminister Günter Baaske (SPD) eine Liste der Missstände, die in den Unterkünften herrschen sollen.“

01.03.2011 Berlin: TAZ
Die Herbergssuche zu Berlin
„Steigende Flüchtlingszahlen zwingen den Senat zum Improvisieren: Er bringt die Menschen in Hostels unter. Doch Initiativen fordern stattdessen Wohnungen.“

Januar/Februar 2011 Berlin: MieterMagazin
Mietwohnung statt Container
Immer häufiger müssen Flüchtlinge und Asylsuchende jahrelang in heruntergekommenen Sammelunterkünften leben, weil sie keine Wohnung finden. Der Senat will gegensteuern. Erstmals sollen die städtischen Wohnungsbaugesellschaften in die Pflicht genommen werden.

02.03.2011 Sachsen-Ahnalt: Der Freitag
Wantchoucou traut sich
„Seit Jahren verfrachtet der Kreis Wittenberg Asylbewerber in ein verdrecktes Heim mitten im Wald. Doch jetzt organisiert ein Bewohner Widerstand – mit Erfolg“

11.03.2011 Bayern: Augsburger Allgemeine
Flüchtling beschreibt sein Leben in Augsburg
„Und es gibt einige Asylheime, die nicht gut für Menschen zum Leben sind. In den meisten Asylunterkünften sind mehr als sechs Flüchtlinge in einen Raum untergebracht. Dies führt in vielen Fällen zu Streitigkeiten und Kämpfen zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft.“


06.03.2011 Hessen: Frankfurter Rundschau

„Lager verhindern Integration“
Der Geschäftsführer des Hessischen Flüchtlingsrates, Timmo Scherenberg, kritisiert im Interview mit der Frankfurter Rundschau die Massenunterkünfte für Flüchtlinge in Hessen und erklärt, warum er in ihnen ein Hemmnis für Integration sieht.

06.03.2011 Niedersachsen: Wolfsburger Allgemeine
Personal muss ausgetauscht werden
„Die Fronten zwischen Behörde und Flüchtlingen sind verhärtet. Ich erwarte, dass das Amt alle Möglichkeiten ausschöpft, den Asylsuchenden ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Die sind seit Jahren bei uns, ohne Perspektiven. Das Amt hat Freiräume, nutzt sie aber nicht.“