Flüchtlinge in Hennigsdorf wehren sich gegen Erniedrigung und Ausgrenzung durch Gutscheine


Bericht von der Aktion auf Die-Mark-Online und Indymedia, Bilder unter Flickr und nolagerberlin.ipernity.com

Für den 1.6.2011 planen die Bewohner_innen des Flüchtlingsheims Stolpe Süd einen Boykott der ihnen monatlich ausgezahlten Wertgutscheine. Das Sozialamt wurde bereits postalisch informiert, dass es die Leistungen für Juni als Bargeld auszahlen soll und die Erniedrigung und Ausgrenzung durch Gutscheine nicht weiter hingenommen werden.
Um diesen Boykott zu unterstützen und unserem Protest gegen das Gutscheinsystem Ausdruck zu verleihen, wird es am 1.6., ab 7 Uhr eine Kundgebung vor dem Flüchtlingslager Stolpe Süd in Hennigsdorf geben.
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Pressemitteilung der Ablish-Kampagne zu dem Streik in Hennigsdorf

Ab dem heutigen Tag, dem 1. Juni 2011, treten BewohnerInnen des Flüchtlingslagers Stolpe-Süd (Hennigsdorf / Brandenburg) in den Streik gegen Wertgutscheine. Die Flüchtlinge wollen damit erzwingen, dass sie in Zukunft für ihre Ernährung Bargeld erhalten. Die zuständigen Ämter wurden bereits postalisch von dem Boykott informiert.

In einem Drittel der Brandenburgischen Landkreise wird die Versorgung von Flüchtlingen immer noch durch Wertgutscheine, das so genannte Sachleistungsprinzip, gewährleistet. Die anderen Landkreise haben ihr System bereits auf Geldleistungen umgestellt. Der Landkreis Oberhavel, der für das Flüchtlingslager Hennigsdorf zuständig ist, beharrt trotz der dadurch entstehenden Mehrkosten auf den Sachleistungen. Diese Wertgutscheine ermöglichen es den Flüchtlingen lediglich in einigen Supermarktketten ihre Nahrungsmittel zu besorgen, die diese Wertgutscheine akzeptieren. Günstigere Angebote auf Wochenmärkten oder in kleineren Läden bleiben für die Flüchtlinge ebenso unerreichbar wie Spielzeug, Fahrkarten und viele Hygieneartikel.
Gerade für Familien mit Kindern bedeutet dies eine erhebliche Einschränkung.
Der Schritt, den die Flüchtlinge des Lagers in Hennigsdorf machen, ist sehr mutig. Immerhin sind sie durch den Boykott auf Nahrungsspenden und weitere Zuwendungen angewiesen. Der Streik soll möglichst solange aufrecht erhalten werden, bis auf Geldleistungen umgestellt ist.
Die abolish-Kampagne – Diskriminierende Gesetze gegen Flüchtlinge abschaffen! ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Gruppen. Bei der Kampagne steht vor allem die Abschaffung des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) im Mittelpunkt. Die Forderungen sollen durch überregionale Aktionstage vom 9. bis 11. Juni 2011 in Berlin Nachdruck verliehen werden. In diesem Rahmen erklärt sich die abolish-Kampagne solidarisch mit dem Streik der Hennigsdorfer Flüchtlinge und wird praktische Hilfe leisten.