28.02.2013 Welt: Hunderte Flüchtlinge und kein Platz

28.02.2013 Welt: Hunderte Flüchtlinge und kein Platz
Große Probleme in der zentralen Ausländerbehörde

Der erste Eindruck, den Flüchtlinge von Brandenburg bekommen, ist alles andere als einladend. Es ist eng, heruntergekommen und hellhörig, vor allem für Familien, die meist mit mehreren Kindern in nur einem Raum der Zentralen Ausländerbehörde in Eisenhüttenstadt untergebracht sind. Ruhe und Privatsphäre gibt es nirgends: Stimmengewirr unterschiedlichster Sprachen sorgt für einen stetigen Geräuschpegel, dazu Kindergeschrei, Töpfeklappern und auch lautstarke Auseinandersetzungen. Es herrscht eine anstrengende Atmosphäre in der zentralen Aufnahmestelle des Landes Brandenburg in Einsenhüttenstadt.
Auf den ersten Blick wird deutlich: Sowohl im sogenannten Männerhaus, als auch in dem Familienquartier wurde lange nichts gemacht. Die kargen Einrichtungsgegenstände stammen teilweise noch aus DDR-Zeiten, die Wände sind schmutzig, die ursprüngliche Farbe ist kaum noch erkennbar. Insgesamt 469 Menschen aus 18 unterschiedlichen Nationen, darunter allein 150 Kinder, leben derzeit auf dem Areal, in einstigen Kasernen der DDR-Volkspolizei, die 1991 in Windeseile zum zeitweiligen Quartier von Fremden gemacht wurden.
Zum Komplex gehört eine Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, das die Asylanträge der ausländischen Ankömmlinge bearbeitet. Sind die ersten Formalitäten erledigt, werden die Asylbewerber auf andere Heime in Zuständigkeit der Landkreise und Kommunen gebracht, um dort dann auf die Bearbeitung ihrer Anträge zu warten. Noch vor 20 Jahren waren durchschnittlich 2000 Ausländer in Eisenhüttenstadt untergebracht. Ab Mitte der 90er-Jahre wurde der Flüchtlingszustrom von Jahr zu Jahr geringer, sodass das Land Brandenburg bereits darüber nachdachte, die zentrale Erstaufnahme-Einrichtung in Eisenhüttenstadt teilweise oder ganz zu schließen oder aber mit einer ähnlichen Behörde in Berlin zusammenzulegen. „Keiner konnte damit rechnen, dass sich die Flüchtlingszahlen plötzlich so exorbitant erhöhen“, sagt Innenstaatssekretär Rudolf Zeeb.
Im vergangenen Jahr war die Zahl der Asyl-Erstanträge in Eisenhüttenstadt um 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Statt einer teilweisen Schließung ging es seinen Angaben nach nunmehr wieder um eine „Ertüchtigung“ der Immobilie. Als Sofortmaßnahme wurden Wohn-Container aufgestellt, auch deshalb, weil die Erstaufnahme an ihre Kapazitätsgrenzen von 500 Personen stieß. Maximal drei Monate sollen die Flüchtlinge in Eisenhüttenstadt bleiben, oftmals dauerte das Warten in der unwirtlichen Erstaufnahme allerdings länger. Durchschnittlich waren es im vergangenen Jahr 51 bis 92 Tage, wie der amtierende Leiter in Eisenhüttenstadt, Norbert Wendorf, berichtet. Krisenherde in Syrien, Afghanistan und auf dem westlichen Balkan sorgen dafür, das die Zahl der Flüchtlinge auch in diesem Jahr nicht sinkt. Das lange Warten lag nach Ansicht des Landes vor allem daran, dass die Kreise bisherige Heime geschlossen hatten und sich nicht in der Lage sahen, plötzlich so viele Flüchtlinge – insgesamt 1389 im vergangenen Jahr – aufzunehmen.
Inzwischen hat sich die Lage laut Zeeb etwas entspannt. Die Landesregierung hat beschlossen, für 7,5 Millionen Euro das sogenannte Männerhaus zu sanieren und die Unterkunft für Familien abzureißen und dafür eine neue zu bauen. Bis Flüchtlinge in den Genuss einer menschenwürdigeren Unterbringung kommen, wird es allerdings noch bis 2015 oder 2016 dauern.

http://www.welt.de/print/die_welt/berlin/article113991142/Hunderte-Fluechtlinge-und-kein-Platz.html