13.05.2013 rbb Inforadio: Internetcafe für Flüchtlinge

13.05.2013 rbb Inforadio: Internetcafe für Flüchtlinge

Mal eben Mails checken oder ein Behördenformular aus dem Netz fischen: Das Internet ist für viele von uns selbstverständlich geworden. Nicht so für Asylbewerber: Sie harren oft jahrelang in Flüchtlingsheimen aus – abgeschnitten von der Außenwelt und ohne Internet. Ein Potsdamer Verein will ihnen aus der Isolation helfen und bietet ihnen einen freien und kostenlosen Zugang zum World Wide Web. Franziska Ritter über das erste Berliner Internetcafé in einem Flüchtlingsheim.
Die Computerplätze im Flüchtlingsheim in Marienfelde sind alle belegt: Einige Besucher chatten mit der Heimat, andere schauen sich Nachrichten in ihrer Muttersprache an – so wie Osmen Abubekia aus Somalia. Das Internet helfe ihm dabei ein paar Brocken Deutsch zu lernen, wichtige Begriffe googelt er einfach. Seit es das Internetcafé in Marienfelde gibt, kommt der sechsfache Vater fast jeden Abend hierher. Im Raum nebenan sitzt der afghanische Flüchtling Abbas Hassani, der seit zwei Jahren im Heim lebt. Er tippt gerade etwas in die persische Version von Google.
Auch wenn die Monitore gebraucht und die Rechner laut sind – die Organisatoren sind größtenteils auf Spenden angewiesen. Marienfelde ist das neunte Internetcafé, das der Verein Refugees Emancipation in der Region eingerichtet hat – das erste in der Hauptstadt. Chu Eben hat das Projekt im Jahr 2000 ins Leben gerufen: „Wir denken, dass Kommunikation und Internet kein Luxus sind – jeder Mensch hat ein Recht darauf.“
Ob Berlin oder Potsdam, ob Prenzlau oder Eisenhüttenstadt: Alle Internetcafés werden von den Flüchtlingen selbst organisiert. Das Prinzip ist immer das gleiche: Das Heim stellt die Räume, der Verein besorgt die Rechner und bietet Computerkurse an – zum Teil wird er von Studenten der Technischen Universität unterstützt. Joseph Guimatsia hat vor Jahren so einen PC-Kurs besucht. Der gebürtige Nigerianer ist aus seiner Heimat geflohen, weil er als Student politisch aktiv war und verfolgt wurde: „Wenn man hier herkommt, landet man in einem Lager, wo auch ich gelebt habe, in Brandenburg – und das war eine der grausamsten Erfahrungen meines Lebens: Das war sogar noch schlimmer als das, wovor ich geflohen bin.“
Nach Stationen in Waldsieversdorf und Garzau kam er nach Potsdam. Dort belegte Joseph seinen Computerkurs – eine gute Vorbereitung auf sein Jurastudium in Potsdam: „Das war sehr wichtig, weil es an der Uni keinen Studiengang, bei dem man ohne Computer auskommen könnte. Ich musste viel schreiben und recherchieren.“
Auf der deutschen Tastatur schreiben, Dokumente erstellen und archivieren: Heute gibt Joseph sein Wissen weiter. Auch wenn er mittlerweile seinen Abschluss in der Tasche hat, arbeitet er einmal die Woche ehrenamtlich im Internetcafé.

http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/wirtschaft_aktuell/201305/188960.html