Charlottenburg gegen Notunterkunft

Im Westend haben sich drei Bewohner eines Hauses in der Soorstraße zum „Bürgerprotest“ zusammengeschlossen. Dieter Dammann, Manfred Linke und Jürgen Kuhn wollen mit Unterschriften verhindern, dass in ihrem Wohnumfeld eine Notunterkunft für bislang 30 Flüchtlinge (nach einem Umbau als Sammelunterkunft für bis zu 250 Personen) eingerichtet wird. Ihre Argumente sind, wie die der aufgebrachten AnwohnerInnen in anderen Bezirken, rassistisch und plump. So wird prophezeit, dass sich Flüchtlinge Tag und Nacht auch auf den umliegenden Grundstücken aufhalten und so ein „psychisches Bedrohungspotenzial speziell für Ältere und Kinder“ darstellen werden. Das empfindet die Initiative als „Wohnqualitätseingriff“. Als Erfolgsgeschichte gilt ihnen die Weigerung des Bezirksamtes am Klausnerplatz eine Notunterkunft für Roma einzurichten. Ein Argument war, dass die Unterkunft so mangelhaft ist, dass sie niemandem zuzumuten ist. Mit dieser Scheinargumentation haben es auch die Reinickendorfer versucht. Die Leute in der Soorstraße verzichten ganz darauf und beziehen sich ausschließlich auf ihr Interesse für ein bisher angeblich „intaktes Wohnumfeld“. Der „Soziale Frieden“ wäre durch die Unterbringung von Flüchtlingen gefährdet. Die Folgen wären außerdem sinkende Immobilienwerte (darüber beschweren die sich?), Geschäftsschädigungen und Sicherheitsprobleme. Das Bezirksamt hat mit dem Standort im Westend kein Problem, wohl auch deshalb weil es sich um AsylbewerberInnen handelt und nicht um Roma. Die Unterschriftenlisten liegen im „Cafe My Cottage“ in der Häselerstraße 20.

Wir sagen: Euer Wohnumfeld ist nicht „intakt“ solange ihr nicht in der Lage seid hilfesuchende Menschen aufzunehmen und zu unterstützen. Ja, der „soziale Friede“ ist gefährdet. Durch rassistische Vorurteile und deren mörderischen Folgen. Ihr macht euch Gedanken um die Immobilienpreise? Andere überlegen wie sie überleben!

Das Bezirksamt und der Betreiber Gierso haben übrigens für den 12. Juni ab 19:00 Uhr eine Bürgerversammlung in der Notunterkunft angekündigt.

Dokumente: Aushänge der Charlottenburger „Bürger“


1 Antwort auf „Charlottenburg gegen Notunterkunft“


  1. 1 Ludwig Trepl 31. Mai 2013 um 16:43 Uhr

    Ich bin mehrmals Gast in dem „Cafe My Cottage“ in der Häselerstraße 20 gewesen und konnte erleben, wie versucht wurde, die Gäste mit den üblichen rechtsradikalen Sprüchen zum Unterschreiben zu bringen. Man sollte das in Westend bekanntmachen. Ich glaube, daß dann sehr viele Einwohner dieses Lokal meiden würden.

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