Hellersdorfer Zustände: Rassistische Stimmungsmache auf „Bürgerversammlung“

Bei einer vom Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf (MH) veranstalteten Bürgerversammlung waren gestern abend ca. 1000 „Bürger“. Das Bezirksamt hatte die Veranstaltung kurzfristig vom 100 Besucher fassenden Saal der ev. Kirchengemeinde auf einen Schulhof in der Nähe verlegt.

Ca 85 % der Anwesenden waren gegen Flüchtlinge, auch ein nicht unerheblicher Anteil offensichtlicher Neonazis (u.a. T-Shirts „Nein zum Heim“, „22.-26.08.1992“). Auf dem Podium saßen der örtliche Abschnittsleiter der Polizei, Bezirksbürgermeister Kosmoß (SPD), Sozialstadträtin Pohle (Linke), Herr Penz (Chef der Betreiberfirma PeWoBe) sowie Herr Allert (Lageso-Chef).
Herr Allert übernahm angesichts der mit der Situation offensichtlich überforderten Bezirkspolitiker souverän die Moderation und ließ das Publikum ausführlich zu Wort kommen, wobei jedoch 90 % der Beiträge rassistisch und flüchtlingsfeindlich waren, auch rechtsradikale Funktionäre kamen so ungehindert und unkommentiert zu Wort.


NPD-Vorsitzender Sebastian Schmidtke durfte auch reden. Viele Fotos bei Flickr und Ipernity

Auf Facebook mobilisiert seit Wochen die vom Marzahner NPD Kandidaten Thomas Crull initiierte angebliche „Bürgerinitiative Marzahn Hellersdorf“ gegen die Flüchtlinge. Der Berliner Verfassungsschutz warnt seit Tagen vor der „BI“.
Sehr viele Hellersdorfer ließen sich davon offenbar aber nicht abschrecken und trugen aktiv dazu bei, das eigentlich längst erledigte Bild vom hässlichen ausländerfeindlichen Marzahn-Hellersdorf in der Öffentlichkeit neu zu beleben.
Dabei ist auch aus Sicht des Flüchtlingsrats die zunächst für 200 Flüchtlinge als Notunterkunft, später für 400 Flüchtlinge als große Sammelunterkunft vorgesehen Schule angesichts der Größe der Klassenzimmer und zunächst fehlender dezentraler Küchen und Duschen problematisch. Nicht umsonst werden Wohnungen für Flüchtlinge statt ständig neuer Sammellager gefordert.
Dabei entdecken inzwischen auch die Nazis das Argument mit den humanitären Problemen der Massenunterbringung. Im Vordergrund standen heute contra Flüchtlingsaufnahme allerdings ganz klar drei Dinge: das Argument erwarteter Kriminalität, die fehlende Sicherheit für das eigene auf der Straße abgestellte Auto und die fehlenden soziale Angebote für die eigenen (deutschen) Kinder.
Auch zahlreiche Unterstützer der Flüchtlinge waren gestern vor Ort, allerdings klar in der Minderzahl. Ein lokales Netzwerk pro Flüchtlinge soll nun, wie schon in Grünau, Reinickendorf und Westend, initiiert werden.

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