20.08.2013 Berliner Zeitung: Auch Pankow nimmt Flüchtlinge auf

20.08.2013 Berliner Zeitung: Auch Pankow nimmt Flüchtlinge auf
In der Mühlenstraße soll die nächste Flüchtlingsunterkunft entstehen. 220 Menschen sollen dort Platz finden.

Pankows Sozialstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz (SPD) hat am Dienstag mitgeteilt, dass in der Mühlenstraße eine neue Flüchtlingsunterkunft für 220 Menschen eingerichtet wird. Es sind Asylbewerber, die aus den Ländern Syrien, Afghanistan, Iran und Irak geflüchtet sind. „Alle diese Menschen haben schlimme Erfahrungen und schmerzhafte Erlebnisse hinter sich“, sagt Zürn-Kasztantowicz. „Diese Menschen brauchen einen Raum, wo sie auf ihrer langen Reise etwas zur Ruhe kommen können.“

Niemand will reden
Die ersten Flüchtlinge sollen im Dezember 2013 in das umgebaute frühere Bürogebäude mitten im Zentrum von Pankow ziehen. Das Gebäude soll eine Unterkunft für Asylbewerber sein, die längere Zeit dort wohnen werden, weil die Behörden ein kompliziertes Asylverfahren erwarten.
Die Bekanntgabe des neuen Standortes für das mittlerweile dritte Flüchtlingsheim im Bezirk kommt überraschend. Noch in der vergangenen Woche hatte das zuständige Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) auf Anfrage der Berliner Zeitung mitgeteilt, dass es sich bei dem Gebäude in Pankow um ein „längerfristiges Projekt“ handele, dass „in diesem Jahr gleichwohl aller Voraussicht nach nicht mehr zu realisieren ist.“ Lageso-Sprecherin Silvia Kostner war für eine Stellungnahme am Dienstag nicht zu erreichen.

„Dezentral informieren“
Auch im Bezirksamt Pankow wollte in der vergangenen Woche niemand über das neue Flüchtlingsheim in der Mühlenstraße reden. Es galt eine Informationssperre. Denn bevor der neue Standort per Mitteilung bekanntgegeben wird, wollte der Bezirk „zuerst bestimmte Gruppen dezentral informieren“, erklärt Sozialstadträtin Zürn-Kasztantowicz. Dazu zählten Einrichtungen wie das Stadtteilzentrum Pankow, die Volkssolidarität, die Wohnungsbaugesellschaft Gesobau und die Erste Wohnungsgenossenschaft Berlin-Pankow eG. All diese Einrichtungen seien an einer guten Nachbarschaft mit den Flüchtlingen interessiert, sagte Zürn-Kasztantowicz.
In den folgenden Wochen, so die Planung im Bezirk, sollen die Mitarbeiter dieser Einrichtungen in ihrem Umfeld über das Flüchtlingsheim informieren, möglichst dezentral und in kleinen Gruppen, auch in Jugendeinrichtungen und in Schulen. Weitere engagierte Bürgerinnen und Bürger, Initiativen und Einrichtungen sind willkommen mit ihren Ideen bei der Integrierung der Neuankömmlinge.

Keine Bürgerversammlung
Eine offizielle Bürgerversammlung, wie jüngst in Marzahn-Hellerdorf, wird es in Pankow nicht geben. Das sei der falsche Weg, sagte Zürn-Kasztantowicz. Sie sehe die Gefahr, dass dort Menschen zu Wort kommen, die gar keine Anwohner sind. In Marzahn-Hellersdorf hatten Teilnehmer einer Bürgerversammlung im Juli massiv gegen das Flüchtlingsheim protestiert. Die NPD war aufmarschiert.