Der Paritätische Berlin: Flüchtlingsschutz – wir alle sind in der Verantwortung

Der Paritätische Berlin: Flüchtlingsschutz – wir alle sind in der Verantwortung

Prof. Barbara John, Vorstandsvorsitzende des Paritätischen Berlin, schreibt hier über das beharrliche Engagement von Paritätischen Mitgliedsorganisationen, die sich in Berlin um Flüchtlingsschutz und -sozialarbeit kümmern. Lesen Sie auch, warum die 5000 syrischen Kontingentflüchtlinge, die nach Deutschland einreisen dürfen, eine erbärmliche Ziffer sind.

Während ich Ihnen dies schreibe, könnten Bomben auf syrischem Gebiet explodiert sein. Giftgas, Artilleriegeschosse, Bomben, marodierendes Militär – zu Millionen, so heißt es in den Nachrichten, seien Familien schon jetzt auf der Flucht in die angrenzende Türkei, ins heillos überforderte Jordanien.

Wer kann, sucht Rettung im sicheren Europa.

Angesichts dieser Flüchtlingstragödie ist die Zahl von 5000 Kontingentflüchtlingen aus Syrien, die Deutschland aufnehmen will, eine erbärmliche Ziffer. Nach Berlin werden 250 von ihnen kommen, das entspricht dem geltenden Verteilungsschlüssel für die Bundesländer.

Wir sollten uns darauf einrichten, dass noch viele Familien aus Syrien nach Deutschland kommen werden, und wir sollten sie selbstverständlich willkommen heißen.

Das bedeutet ganz praktisch: Unterkünfte bereit stellen, in Bezirken und Kommunen Ausschau nach geeigneten Wohnungen halten, Deutschunterricht für Jung und Alt gewährleisten, Kita- und Schulplätze für die Kinder vorhalten, berufliche Aus- und Weiterbildung anbieten, denn diese Flüchtlingen bekommen gleich eine Aufenthaltserlaubnis.

Sie durchlaufen, anders als Asylbewerber, kein Asylverfahren, sondern bekommen gleich alle Möglichkeiten zur Eingliederung. Die Auswahl und Aufnahme wird vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen organisiert, in deren Anlaufstellen im arabischen Raum sich die Flüchtlinge anmelden.

Was Berlin tun kann, ist, schon jetzt Unsicherheit und Unkenntnis bei den Berlinern abzubauen, damit skeptische Haltungen schrittweise zur Akzeptanz und zum Willkommen für die Leidgeprüften führen. All das braucht gute Vorbereitung, angemessene Organisation, Professionalität, Engagement und – viel, viel Geld.

Mit eher bescheidenen Mitteln müssen die Mitgliedsorganisationen zurechtkommen, die sich unter dem Dach des Paritätischen Berlin um Flüchtlingsschutz und Flüchtlingssozialarbeit kümmern, etwa Xenon e.V., der Verein Iranischer Flüchtlinge in Berlin eV. oder die Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und MigrantInnen e.V. (KuB).

Aus dem Interview mit Dietrich Koch von Xenion und Jochen Schwarz von Oase Berlin in diesem Rundbrief (Seiten 13 bis 17) geht hervor, dass es in Zeiten wieder zunehmender Flüchtlingszahlen immer schwieriger wird, die Qualität der Beratungen und der Vermittlungen auf dem gewohnt hohen Qualitätsniveau zu halten, um Hilfen in sozial- und aufenthaltsrechtlichen, psychosozialen und anderen existentiellen Fragen geben zu können.

Ähnlich nah an Selbstverständlichkeiten und Alltagspraxis orientieren sich unsere paritätischen Forderungen zur Flüchtlingspolitik (nicht nur) in Berlin, an die wir neulich noch einmal erinnert haben.

> Die Teilnahme an Integrationskursen darf nicht länger verwehrt werden. Flüchtlinge müssen Zugang zu Deutschkursen erhalten, um mit ihren neuen Nachbarn sprechen und Teil des Gemeinwesens werden zu können.
> Das Asylprüfverfahren darf nicht Monate oder Jahre dauern!
> Das Arbeitsverbot für Asylsuchende muss aufgehoben werden. Menschen zum Nichtstun zu verurteilen ist inhuman.
> Der Zugang zur Krankenversorgung, nicht nur zur Notfallhilfe, ist zu sichern.
> Folteropfer und Opfer von Menschenrechtsverletzungen benötigen psychosoziale Hilfen.
> Die in Deutschland geltende Residenzpflicht muss abgeschafft werden! Sie verpflichtet den Flüchtling dazu, den zugewiesenen Wohnsitz nicht ohne Genehmigung der Ausländerbehörde verlassen zu dürfen. Das ist mit der EU-Grundrechtecharta nicht zu vereinbaren!

Ein Blick ins Internetportal des Flüchtlingsrates (www.fluechtlingsrat-berlin.de) zeigt: In Berlin gibt es zahlreiche Organisationen und Initiativen, die sich um Lobbyarbeit, Rechtsberatung, Sprachmittlung und Bildung für Flüchtlinge kümmern. Bürgerschaftliches Engagement muss oft überall dort einspringen, wo der Staat zu wenig ausrichtet.

Wie kreativ und beherzt in Berlin die Defizite des Staates zu Stärken der Zivilgesellschaft gewendet werden, das können Sie am „Berliner Freiwilligentag 2013“ (13. und 14. September) und in der „Woche des Bürgerschaftlichen Engagements 2013“ (10. bis 21. September) selbst erleben – zu den Veranstaltungen und Aktionen lade auch ich Sie an dieser Stelle herzlich ein.

http://www.paritaet-berlin.de/themen-a-z/themen-a-z-detailansicht/article/fluechtlingsschutz-wir-alle-sind-in-der-verantwortung-1.html