Voßberger Heim jetzt kinderreich

21.10.2013 MOZ

Die ersten 30 von insgesamt 50 für die Unterbringung in Voßberg vorgesehenen Asylbewerber sind am Montag eingezogen. Am 30. Oktober wird der Rest aus der Zentralen Aufnahmestelle Eisenhüttenstadt erwartet. Zur Begrüßung waren auch einige Letschiner gekommen.

Es geht bereits auf Mittag zu, als der rote Bus der Feuerwehrschule Eisenhüttenstadt die Einfahrt zum Obdachlosenheim des Arbeitersamariterbundes (ASB) nimmt. Ein geschäftiges, aber auch routiniertes Treiben beginnt. Die Kinder sind in der Mehrzahl: Es sind 22, vom Säugling bis zum Schulkind. Die älteren klauben die Taschen und Rucksäcke zusammen. Einen Blick für die Umgebung haben sie noch nicht. Auch nicht für die Leute, die sie begrüßen wollen: Letschins Bürgermeister Michael Böttcher, Stephan Schoenemann vom Gemeinderat, ASB-Chef Klaus-Dieter Schepler und natürlich das Heim-Team mit Martina Schurig, Matthias Seefeld und dem neuen Leiter Jens Planeta. Aber die sind auch nicht nur zum Zuschauen und Händeschütteln gekommen. Sie packen an, wo Hilfe gebraucht wird, um die Habseligkeiten in die renovierten und gut vorbereiteten Wohnunterkünfte zu bringen.
Die erste Frage der Ankömmlinge gilt weniger den Möglichkeiten, sich beim Einwohnermeldeamt anzumelden. Obwohl Michael Böttcher das bereits mit seiner Mitarbeiterin Anke Heinemann vorbereitet hat. Die Neu-Letschiner haben schlichtweg Hunger. Nun liegt Voßberg doch etwas von den zahlreichen Letschiner Einkaufmöglichkeiten entfernt. „Wir müssen erst einmal prüfen, ob sie Bargeld dabei haben. Vorgesehen ist die Selbstversorgung“, erklärt ASB-Chef Klaus-Dieter Schepler. Vorerst wird geprüft, ob Lebensmittel herangeschafft werden können. Dafür könnte die Gemeinde auch ein Fahrzeug bereitstellen, so Böttcher. Mit vereinten Kräften wird das Problem gelöst.
Um die Verkehrsverbindung ins Dorfzentrum auf Dauer günstiger zu gestalten, will die Gemeinde die seit langem im Fundbüro schmorenden Räder ausleihen. Der Radweg durch Voßberg ist vor kurzem gebaut worden. Im Gemeindebauhof lagert auch noch ein Spielgerät mit Rutsche und Schaukel. Mitarbeiter Wilfried Hasselbach will das in den kommenden Tagen aufbauen. Dann wird auch nach außen hin deutlicher, dass aus dem Obdachlosenhaus eine Gemeinschaftsunterkunft geworden ist, in der derzeit mehr Kinder als Erwachsene wohnen. Die Kinder haben in den vergangenen Wochen bereits viele solcher Stationen gesehen, und sicher brauchen sie noch einige Zeit, um sich anzupassen.
Die „alteingesessenen“ Bewohner des ASB-Heims beobachten die Ankunft ihrer neuen Nachbarn mit Neugier und Freude. „Es ist doch schön, wenn hier Kinder lachen“, sagt Raimund Mlynek. Seit 14 Jahren wohnt der ehemalige Zuckerfabriksarbeiter in dem Heim. Inzwischen will er dort gar nicht mehr weg. Wie es den Flüchtlingskindern geht, das kann er nachvollziehen. Er war 1967 sechs Jahre alt, als seine Familie aus Schlesien ins Oderbruch umgezogen war. Kein Wort Deutsch konnte er damals.

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