Seelow bringt Flüchtlinge dezentral unter

24.10.2013 MOZ: Seelow bringt Flüchtlinge dezentral unter

Das Thema Asylbewerber wird auch die Stadt in den nächsten Wochen und Monaten intensiv beschäftigen. Darauf verwies Bürgermeister Jörg Schröder (parteilos) im Bildungs- und Sozialausschuss am Dienstagabend. Der Kreis stehe seit Wochen mit der Stadt in Kontakt.
Die ersten Überlegungen waren dahin gegangen, die Gebäude auf dem Gelände des Christlichen Jugenddorfes (CJD) in der Hinterstraße als Asylunterkünfte herzurichten. Das CJD hat im Sommer seine Ausbildung eingestellt und den Schwerpunkt auf die Jugendsozialarbeit verlegt.
„Diese Vision war jedoch nicht realisierbar“, erläuterte Schröder. Im Pachtvertrag sei formuliert, dass die Gebäude ausschließlich für die Jugendarbeit und Ausbildung genutzt werden dürfen. Im Wohnbereich seien zudem Jugendliche untergebracht, sollen es auch bleiben.
„Der Kreis bat uns zu prüfen, welche Möglichkeiten der Unterbringung es in der Stadt gibt“, berichtete der Bürgermeister.
Von Anfang an im Boot sei die Seelower Wohnungsbaugesellschaft (Sewoba) gewesen. Ihr gehört auch die Immobilie des Obdachlosenheimes in Voßberg. In Abstimmung mit der Gemeinde Letschin und dem Betreiber des Heimes, dem Arbeiter-Samariter-Bund, habe man zunächst einmal sehr schnell Unterbringungsmöglichkeiten in Voßberg geschaffen. Über die Ankunft der ersten Familie hat die MOZ berichtet.
Und auch in Seelow selbst seien inzwischen die ersten fünf Familien mit insgesamt neun Kindern aus Tschetschenien in Wohnungen untergebracht worden, berichtete der Bürgermeister. „Wir erwarten noch weitere fünf Familien“, informierte Schröder. Zwecks Betreuung der Kinder in Kitas und Schulen stehe man mit dem Kreis in Kontakt. Denn noch sei vieles nicht geklärt, was zum Beispiel die Übernahme diverser Kosten – von Kita-Gebühr über Miete bis hin zu Betriebskosten – betrifft. Da es um das Schicksal Leid geprüfter Menschen gehe, habe man sich zu schnellen Entscheidungen entschlossen.
Jörg Schröder appellierte an die Bürger der Stadt, die Fremden wohlwollend aufzunehmen und ihnen Unterstützung zu gewähren. „Wir haben gute Erfahrungen mit Spätaussiedlern“, erinnerte der Verwaltungschef. Zu Spitzenzeiten hätten fast 200 in der Stadt gelebt, heute sind es immerhin noch 85. Durch die Präsenz der Spätaussiedler hatte sich vor Jahren der Integrationsverein gegründet. Mit dem stehe man von Anfang an in Kontakt, erläuterte Schröder. Deren Vertreter haben sich bereits bereit erklärt, für die Integration der neuen Bewohner der Stadt zu wirken, „Die Bürger von Seelow erfahren schon seit Jahren, dass russische Sprache und Kopftücher keine Bedrohungen darstellen“, sieht es Marion Nowack, die Vorsitzende des Integrationsvereins. Man begrüße die Unterbringung in Wohnungen der Seelower Wohnungsbaugesellschaft, die durch den Wegzug von Spätaussiedlerfamilien auch zur Verfügung stehen. „Besonders für die Kinder der Familien ist die monatelange Unterbringung in Asylbewerberheimen kein gutes Umfeld. Viele sind durch Verfolgung und Flucht bereits traumatisiert sind“, so die Vereinsvorsitzende.
Der Verein wolle helfen, den Familien den Alltag in ihrer neuen Umgebung zu erleichtern. Man werde sich dafür einsetzen, dass Neu-Bürger ohne Ängste und Vorurteile in der Kreisstadt aufgenommen werden. Jörg Schröder sieht auch die Sewoba in der Pflicht. Sie sollte mit ihren Mietern in den Blocks, in denen tschetschenische Familie einziehen, sprechen und für Verständnis sorgen. Wichtig sei eine gute Information.

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