Samstag: Demo nach Anschlag in Hellersdorf

In der Silvesternacht, gegen 1 Uhr morgens, brachten Nazis gezielt über angeklebte Böller die Scheiben der Eingangsbereiche von zwei Gebäuden der Unterkunft zum Bersten. Auch eine Hilfsorganisation stellte Beschädigungen an ihren Räumlichkeiten im Bezirk fest. Deswegen demonstrieren wir kurzfristig am Samstag, den 4. Januar 2014, um 14 Uhr ausgehend vom Alice-Salomon-Platz (U Hellersdorf) gegen den Naziterror im Bezirk!
Gegen 1 Uhr morgens brachen in der Silvesternacht die Scheiben der Unterkunft für Asylbewerber_innen in Hellersdorf. Zwei Unbekannte, so beschreibt es der Sicherheitsdienst, brachten „Böller“ mit klebenden Materialen an der Unterkunft an und brachten die Konstruktion zur Explosion. Das zerstörte die Scheiben des Unterkunftseingangs. Ähnliche Schäden entdeckte der Sicherheitsdienst am Eingangsbereich des zweiten Gebäudes. Von den Medien befragt, drückten rassistische Anwohner_innen um die Unterkunft ihre Unterstützung zum Naziterror und den Anschlägen aus.

Unvermindert attackieren Nazibanden die Unterkunft der Geflüchteten in der Carola-Neher-Straße, deren Einrichtung im Sommer 2013 eine rassistische Protestwelle unter den Anwohner_innen auslöste, aber auch zu einer breiten Solidarisierung von vielen Menschen führte. Im Zuge des Diskurses um die rassistische Hegemonie in dem Hellersdorfer Kiez gab es intensive Zeiten. Die rassistische Mobilisierung und eine Vielzahl von Aufmärschen führte zu Wahlergebnissen im zweistelligen Bereich für die NPD im angrenzenden Wohngebiet. Der öffentlichen Präsenz der Rassist_innen und Neonazis wurde aber auf vielen Ebenen Widerstand entgegengebracht. Mahnwachen, Gegenaktionen und Massenblockaden zu Aufmärschen, Spendensammlungen, bunte Kiezspaziergängen, kraftvollen Demonstrationen und weiteren solidarischen Aktionen bestimmten die öffentliche Wahrnehmung.

Auch die Räumlichkeiten von „Hellersdorf Hilft“, einem zivilgesellschaftlichen Bündnis aus dem Bezirk, dass Hilfsangebote und Spenden für die Geflüchteten sammelt und koordiniert, wurden im Eingangsbereich durch eine starke Explosion in der Nacht vom 30. auf den 31.12 beschädigt. Der Sachschaden hier geht in den vierstelligen Bereich, ein Zusammenhang zu den Anschlägen am nächsten Tag gegen die Unterkunft ist sehr wahrscheinlich.

Die Gruppe um die „Bürgerinitiative Marzahn-Hellersdorf“, die sich – nachdem sie mehrmals auf Betreiben von Antirassist_innen von Facebook gelöscht wurde und damit ihr Hauptpublikationsmedium verlor – jetzt „Bürgerbewegung Hellersdorf“ nennt, bekannte sich indirekt zum Anschlag auf die Unterkunft über ihre Facebook-Seite. Schon früh zeigten antifaschistische Recherchen, dass sich in dieser Bürgerinitiative neben rassistischen Rechtspopulisten wie André K. auch knallharte Nazis der vergangenen Organisationsgenerationen im Bezirk wie Daniela F., um den Jahrtausendwechsel Kameradschaftsführerin in Mahlsdorf, sammeln.

Diese Gruppe wird es jetzt auch sein, die sich nach erfolgreicher antifaschistischer Intervention und erzwungener Ausdifferenzierung zum „nur“ alltagsrassistischen Anwohner_innen-Umfeld durch militante Aktionen profilieren will. Immer wieder haben sie gezeigt, dass sie ohne Scheu auf den Nationalsozialismus referenzieren. Gegen diesen Naziterror muss offensiv vorgangen werden. Hier heißt es: den Schutz der Geflüchteten organisieren und dabei auch den antifaschistischen Selbstschutz stärken. Kein Fußbreit den Rassist_innen und Nazis!