Pätz: Innenminister Woidke wirbt für Willkommenskultur

09.01.2014 MAZ: „Rechtsradikale finden hier keine Plattform“

Das Asylbewerberheim hat in Pätz für jede Menge Gesprächstoff gesorgt. Am Donnerstag hat Ministerpräsident Dietmar Woidke das Heim besucht. Dort hat er viele engagierte Anwohner getroffen, die die Flüchtlinge freundlich aufnehmen und ihnen helfen wollen. Woidke ist beeindruckt.

Engagierte Bestenseer haben viele Ideen entwickelt, wie die Flüchtlinge, die ab April im Asylbewerberheim einziehen sollen, in das dörfliche Leben einbezogen werden können. Einige davon stellten sie am Donnerstag Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) bei dessen Besuch im Pätzer Technologie- und Berufsbildungszentrum (TBZ) vor, auf dessen Gelände das Heim eingerichtet wird.

„Die Volleyballer der Netzhoppers möchten Kinder zu einigen ihrer Spiele einladen, auch der Tischtennisverein meldete sich und Gewerbetreibende würden junge Ausländer gern in ihre Firmen hineinschauen lassen“, zählte Bürgermeister Klaus-Dieter Quasdorf auf. „Mal die Nase in Betriebe hineinstecken, wäre sicher nützlich“, sagte Neumann, Vorsitzender des Gewerbevereins. „Fremde Sprachen stünden dem nicht im Wege, höchstens rechtliche Hindernisse“, ergänzte Kreishandwerksmeister Gerald Krüger.

Eine Beeinträchtigung der medizinischen Betreuung der Bestenseer sei durch den Bevölkerungszuwachs von etwa 150 Personen nicht zu erwarten, teilte Quasdorf mit. Das hätten Ärzte der Arbeitsgruppe versichert, die sich zur Aufnahme der Asylbewerber gründete. „Vorbehalte werden nur von Leuten außerhalb unseres Ortes geschürt“, betonte der Bürgermeister. „Aber bei uns haben die Rechtsradikalen keine Plattform gefunden.“ In Bestensee sei es gelungen, die Zivilgesellschaft zu sensibilisieren und die Nazis in die Schranken zu weisen, stellte Ministerpräsident Woidke fest.

TBZ-Geschäftsführer Jörg Beenken führte seine Gäste durch das Wohnheim, in dem es Zwei-Bett-Zimmer, aber auch kleine Appartements für Familien gibt. „Wir wollen die Asylsuchenden hier nicht nur unterbringen, sondern integrieren“, sagte er. Kurse zur beruflichen Orientierung könnten dazu beitragen. „Im Untergeschoss ist Platz für ein kleines Café und die Mehrzweckhalle steht allen für Spiel und Sport zur Verfügung“, fügte Sozialpädagogin Claudia Wußow hinzu, die sich für Hilfsangebote von Einwohnern und Kirchengemeinden bedankte.

Brandenburgs Regierungschef zeigte sich von den Initiativen beeindruckt. „Sie haben ein umfassendes und hervorragendes Konzept entwickelt“, lobte er. „Es wird allen nutzen, denn Begegnung schafft Verständnis.“ Auch Landrat Stephan Loge (SPD) hob das Bürgerengagement hervor, das bestens geeignet sei, die künftigen Heimbewohner willkommen zu heißen. Er begrüßte, dass im Nachtragshaushalt des Landes für die Unterbringung weitere Mittel bereitgestellt worden seien, bedauerte aber, dass sie nur investiv und nicht auch für soziale Zwecke verwendet werden dürfen.

Annette Lehmann, die Ortsvorsteherin von Pätz, regte an, in der Grundschule zeitlich begrenzt einen Pädagogen einzustellen, um den ausländischen Kindern einen Sprachkurs anzubieten. „Nur mit dieser Hilfestellung können sie dem Unterricht folgen“, begründete sie ihren Wunsch. Dietmar Woidke versprach, das Anliegen nach Potsdam mitzunehmen. „Wenn es das Bildungsministerium dann auch umsetzt, hat sich das Treffen heute schon gelohnt“, bemerkte Lehmann.

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