Premnitz: Brandanschlag aufgeklärt

10.01.2014 MAZ: Brandanschlag aufgeklärt

Die Polizei hat nach einem vor vier Monaten verübten Brandanschlag auf ein geplantes Asylbewerberheim in Premnitz (Havelland) zwei Verdächtige gefasst. Ein 20-Jähriger habe die Tat gestanden und fremdenfeindliche Motive angegeben. Beschuldigt hat er dabei auch einen 17-jährigen Bekannten, der die Tat jedoch abstreitet.

Die Straftat ist aufgeklärt, die letztes Jahr deutschlandweit Aufsehen erregt hat. In der Nacht zum 18. September war auf die Tür des künftigen Asylbewerberheims in Premnitz ein Brandanschlag verübt worden. Größerer Schaden konnte verhindert werden, weil ein Wachschutzmitarbeiter das Feuer frühzeitig entdeckt und die Feuerwehr alarmiert hatte. Gestern nun hat die Polizeidirektion West mitgeteilt, dass die Brandstiftung aufgeklärt ist.

In dieser Woche sei ein 20-jähriger Mann aus Premnitz vernommen worden, weil sich der Tatverdacht gegen ihn nach umfangreichen Ermittlungen und Vernehmungen von Zeugen durch das Dezernat Staatsschutz verdichtet habe. Er habe zugegeben, gemeinsam mit einem 17-jährigen Premnitzer den Brand gelegt zu haben. Der zweite Verdächtige sei vernommen worden, habe seine Beteiligung aber bestritten. Zeugen hatten zur Tatzeit das Auto des 20-Jährigen in der Nähe des Brandortes gesehen. Zu seiner Motivation habe dieser angegeben, so die Polizei, dass er nicht wolle, dass in der Nähe seines Wohnortes Asylbewerber untergebracht werden. Er und sein Freund hätten „ein Zeichen setzen“ wollen, um anzuregen, das Heim woanders unterzubringen. Ein großer Schaden oder die Gefährdung von Menschen seien nicht geplant gewesen.

Die Tatverdächtigen sind der Polizei wegen früherer Eigentums- und Körperverletzungsdelikte bekannt. Gegen den 20-Jährigen war vor einigen Jahren wegen des Verdachts ermittelt worden, Naziparolen gerufen zu haben. Der rechtsextremen Szene, hat die Polizei mitgeteilt, seien die Tatverdächtigen bisher nicht zuzurechnen gewesen. „Ich bin froh“, wird Peter Meyritz, Leiter der Polizeidirektion West, zitiert, „dass es uns gelungen ist, die Brandstiftung aufzuklären.“ Im Hinblick auf die fremdenfeindliche Motivlage sei er aber besorgt. Umso wichtiger sei es, mit den intensiv und letztlich erfolgreich geführten Ermittlungen zu zeigen, dass Straftaten gegen geplante Asylbewerberheime nicht folgenlos bleiben.

Der Premnitzer Bürgermeister Roy Wallenta hat gestern gesagt, er sei erleichtert, dass die Täter gefasst sind. Weil nun klar sei, dass der Brandanschlag nicht ungestraft bleibe und dass die Täter nicht der festen rechten Szene angehören, sei es unwahrscheinlich, dass es eine Wiederholung gibt.

Pressereferentin Caterina Rönnert hat für den Landkreis gestern mitgeteilt, man hoffe, dass mit der Feststellung der Täter ein abschreckendes Beispiel gegeben werde, um weitere Straftaten dieser Art zu verhindern. Mit Blick auf weitere Standortdiskussionen um Unterkünfte für Asylsuchende sollten sich alle Beteiligten – insbesondere kommunalpolitisch Verantwortliche – darüber im Klaren sein, dass man mit unbedachten Äußerungen Aktionen wie der Brandstiftung unnötig Vorschub leistet.

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