Autobild: „BMW wollte keine Flüchtlinge nebenan“

10.01.2014 Autobild: „BMW wollte keine Flüchtlinge nebenan“
Canan Bayram (47), Sprecherin für Integration der Grünen-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, über die mutmaßliche Ablehnung eines benachbarten Flüchtlingsheimes durch BMW.

AUTO BILD: Sie werfen dem Berliner Senat vor, auf Drän­gen von BMW zugesagt zu haben, ein Flücht­lingsheim zu schließen. Wie kommen Sie darauf?
Canan Bayram: Es gibt viele Anhaltspunkte in den Akten. Unter anderem einen Brief von 2011, in dem die Senats­kanzlei der Berliner BMW-Niederlassung bestä­tigte, dass das Flüchtlingsheim bei Eröffnung der neu geplanten, an das Grundstück angrenzen­den BMW-Repräsentanz 2014 nicht mehr betrie­ben wird. Das ist für mich ein eindeutiger Nach­weis, dass es eine Zusage gab. BMW und der Senat bestreiten eine Verein­barung. Es habe sich lediglich um den Aus­tausch von Informationen gehandelt.
Aus den Akten geht hervor, dass BMW den Wei­terbetrieb des Flüchtlingsheims zum Ausschluss­kriterium für den eigenen Bau gemacht hat. In einem Gesprächsvermerk steht ganz klar, dass der Konzern die 80 Millionen Euro sonst nicht investieren würde.

„BMW scheint sich zu öffnen“
Überraschend wurde der Mietvertrag des Heims nun aber doch noch verlängert. Diese Kehrtwende freut mich sehr. Offenbar hat die Transparenz, die ich hergestellt habe, dazu geführt, dass der staatliche Auftrag wieder ernst genommen wird. Pragmatisch kann man auch sagen: Der Bau der neuen Niederlassung war schon so weit fortgeschritten, dass BMW nicht mehr aussteigen konnte. Jetzt überlegt BMW, die Flüchtlinge in der Nachbarschaft sogar zu unterstützen. Den Vorschlag, das Heim in das firmeneigene Charity-Programm aufzunehmen, gab es schon vor Baubeginn. Das wurde damals aber abge­lehnt. BMW scheint nun umzudenken. Das ist vielleicht auch ein Schritt zur interkulturellen Öffnung eines bayerischen Autobauers.

http://www.autobild.de/artikel/canan-bayram-im-kurz-interview-4509111.html