Lauchhammeraner informieren sich in Sedlitzer Gemeinschaftsunterkunft

18.01.2014 Lausitzer Rundschau: Auf dem schmalen Grat der Angst
Lauchhammeraner informieren sich in Sedlitzer Gemeinschaftsunterkunft

Sedlitz Der Landkreis plant eine neue Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende in Lauchhammer. Das sorgt für Aufregung bei Anwohnern. Deshalb hat die Kreisverwaltung Interessenten in die bestehende Einrichtung nach Sedlitz eingeladen zum Schauen, wie es gehen kann.
Die Gänge kahl und schmucklos, die Zimmer spartanisch eingerichtet: Bett, Schrank, Tisch und Stuhl. Sechs Quadratmeter Wohnfläche pro Person. Das kleine Grüppchen interessierter Frauen und Männer aus Lauchhammer, die das Angebot der Kreisverwaltung angenommen hat, sich die vom Kreis verantwortete Unterkunft für Asylbewerber in Sedlitz anzuschauen, scheint ernüchtert: Luxus sieht anders aus. Toiletten auf dem Flur, Duschen im Keller, und der Gang zur Küche, in der sich die Bewohner das Essen für sich und ihre Familien kochen, ist weit. Zum Glück ist auf halbem Wege seit Ende Dezember eine Spielecke aufgebaut. Dort bleiben die Knirpse hängen, während Mama kocht, schnappen sich das abgeliebte Bobbycar, bauen Häuser aus Plastik-Bausteinen oder spielen Familie mit den Kuscheltieren. Auch wenn sie unterschiedliche Sprachen sprechen, verstehen sie sich. „Und wir können sicher sein, am Abend ist das alles blitzblank aufgeräumt“, sagt André Schmidt, der Leiter des Übergangswohnheims, der die Besucher durch das Haus führt. Darum kümmern sich die Mütter. Die waren ebenso froh wie die Kinder, dass Jugendliche aus Lauchhammer zum Jahresende mit Spenden die Spielecke liebevoll eingerichtet haben. Für Alexander Erbert, den Sozialdezernenten des Landkreises, ist diese Art der Willkommenskultur, die die jungen Leute leben, ein ermutigendes Zeichen, dass Miteinander gelingen kann. Die Lauchhammeraner Besucher in Sedlitz wirken dagegen eher skeptisch und haben viele Fragen: Wie kommen die Asylbewerber nach Deutschland, wovon leben sie? Wie läuft so ein Asylverfahren? Wie ist das Haus bewacht? Wer geht hier ein und aus? Wie kommen die Nachbarn zurecht?

Wir haben Angst vor Übergriffen Rechter, sagt ein junger Familienvater und davor, dass die bisher eher ruhige Ecke in Lauchhammers Osten unruhig wird. „Ist es nicht für alle Beteiligten besser, wenn die Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht werden?“ Da könnten sie viel besser integriert werden, argumentieren die Anwohner des zukünftigen Heimes in Lauchhammer jetzt. Sie seien schließlich nicht gegen Asylbewerber und schon gar nicht rechts, nur gegen die Art der Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft. Sie wissen, dass sich ihre Angst auf einem schmalen Grat bewegt.

Bereits 137 Flüchtlinge leben auch im Oberspreewald-Lausitz-Kreis in Wohnungen mitten unter uns, berichtet Erbert. Allerdings sei in der Anfangsphase die Gemeinschaftsunterkunft wichtig, um sich im neuen Umfeld orientieren zu können.

Das bestätigt auch Dirk Wilking, der Geschäftsführer des Brandenburgischen Instituts für Gemeinwesenberatung (demos). Seit 20 Jahren sammelt er im Mobilen Beratungsteam Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus und für Demokratieentwicklung im Land. „Wohnungen für Flüchtlinge sind eine gute Forderung“, sagt er, „aber erst dann, wenn der Aufenthaltsstatus der Flüchtlinge geklärt ist.“ Dennoch müssten die Sorgen und Einwände der Anwohner ernst genommen werden. „Kritik muss möglich sein“, so Wilking.

Zum Thema:
Kriege und andere Krisenherde in aller Welt treiben immer mehr Menschen in die Flucht. Brandenburg nimmt entsprechend seiner Einwohnerzahl 3,2 Prozent der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge auf.Im Asylbewerberheim Sedlitz sind derzeit 128 Asylbewerber angemeldet. 104 Plätze stehen zur Verfügung, die Erweiterung auf 131 Plätze ist gerade im Bau. Um die ankommenden Flüchtlinge entsprechend ihres Grundrechtes auf Asyl unterbringen zu können, werden weitere Unterkünfte benötigt. Der Oberspreewald-Lausitz-Kreis richtet dafür ein ehemaliges Arbeiterwohnheim in Lauchhammer baulich her.

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