Gransee: Das Bedürfnis zu helfen wächst

18.01.2014 MOZ: Das Bedürfnis zu helfen wächst

Gransee (MOZ) Wenn es um die Integration der Flüchtlinge geht, die ab Oktober am Karl-Marx-Platz Unterkunft finden werden, ist die Hilfsbereitschaft vieler Granseer trotz kursierender Vorbehalte groß. Das bewies am Donnerstag die offene Gesprächsrunde im Heimatmuseum.
Der Arbeitskreis Frauen Oberhavel Nord, die Initiative Willkommen in Oberhavel sowie der Verein Gemeinsam hatten zum Gespräch geladen. Ziel war es, das bürgerliche Engagement zu bündeln. Die Resonanz war mit mehr als 70 Teilnehmern gut.

Die Bürgerinitiative (BI) „Hennigsdorfer Ratschlag“ berichtete dabei von ihren Erfahrungen im Umgang mit dem dortigen Asylbewerberheim. Kritikern des Heims nahmen sie gleich den Wind aus den Segeln. Nicht ein einziges Mal habe ein Asylbewerber einen Anwohner angegriffen. Es sei eher andersrum, dass Jugendliche aus dem Ort Probleme mit den Flüchtlingen suchen.

Diverse Projekte sorgten in Hennigsdorf dafür, das Klima zu entspannen und eine reelle Willkommenskultur zu schaffen. Seit 16 Jahren gibt es ein Ferienlager für Flüchtlingskinder, Lernpaten helfen im Schulalltag, Deutsch-Workshops und Fahrradangebote für die Bewohner des einige Kilometer von der Stadt entfernten Heims ergänzen das Engagement.

Ängste und Sorgen der Bürger sollen dennoch ernst genommen werden. Fremdenfeindlichkeit sei in uns allen, meinte eine Frau der Initiative. Es gehe darum, mit ihr umzugehen.

Neben theoretischen Gesprächen zeichnete die Runde vor allem der wachsende Wunsch zum konkreten Handeln aus. Markus Hoffmann von „Willkommen in Oberhavel“ baut dafür gerade die Internetseite www.willkommen-gransee.de auf. Künftig gibt es dort Informationen für alle, die helfen wollen. So möchten viele Bürger, dass die Flüchtlinge einen Bezug zum Ort bekommen, es gemeinsame Sport- oder Musikaktivitäten gibt, um sich kennen zu lernen. Auch Deutschkurse und ein Willkommensfest sind geplant. Einige würden persönliche Patenschaften übernehmen. So wie der Linken-Abgeordnete Klaus Pölitz.

Als nächstes werden nun Arbeitsgruppen gebildet, die auf der nächsten Versammlung jeweils konzentriert an einem Thema arbeiten können. „Die Qualität des Abends zeigt, dass hier etwas entsteht“, urteilte Bauamtsleiter Manfred Richter.

Dass das Thema nicht nur Granseer interessiert, zeigte das Kamerateam, das Teile der Gesprächsrunde filmte. Das ZDF wird voraussichtlich einige Szenen und Meinungen für die nächste Ausgabe des Boulevard- und Ländermagazins „Drehscheibe“ am kommenden Dienstag verwenden. Journalistin Britta Hilpert war von der Resonanz der Granseer angetan. „Ich bin überrascht, dass hier so viele sind, das ist nicht ganz so üblich“, sagte sie.

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