Köpenick: Alltag im Allende-Haus

01.03.2014 RBB-Sendung „Himmel und Erde“: Alltag im Allende-Haus

Das Köpenicker Allende-Haus ist ein ehemaliges Seniorenheim. Der neue Träger, das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk, versucht, den Asylsuchenden eine menschwürdige Unterkunft zu ermöglichen und sie in Zusammenarbeit mit Bürgerinitiativen zu integrieren. Die 28-jährige Lisa Friedmann ist eine der drei Sozialarbeiterinnen im Haus.
Drei Sozialarbeiterinnen für mehr als 200 Flüchtlinge, Menschen aus Syrien, Afghanistan, Osteuropa, Afrika. „Bei all dem was sie durchgemacht haben und wie es ihnen vorher ging, ist es ganz wichtig für ihre innere Stabilität, dass sie einen sicheren Ort haben“, sagt Lisa Friedmann.
Der 18-jährige Fardin Nasiri lebte früher in Kabul, er spricht drei Sprachen. Aber bevor nicht über seinen Status entschieden wurde, darf er hier weder studieren noch arbeiten. Lisa hat einen Praktikumsplatz für ihn gefunden. Den Platz hat die Firma selber angeboten um Flüchtlinge zu unterstützen.
Überhaupt ist die Hilfe in der Nachbarschaft ziemlich ausgeprägt. Einige Leute bieten ehrenamtliche Deutschkurse an, Kunsttherapie für Kinder oder Patenschaften.
Fast täglich bringen sie Kleiderspenden oder Nützliches für den Haushalt. Die Bürgerinitiative „Welcome Refugees!“ wurde schon vor dem Eintreffen der Asylbewerber gegründet. Man hat die Menschen im Wohnviertel von Anfang an mit einbezogen. Damit Ausschreitungen wie im letzten Jahr in Hellersdorf sich hier nicht wiederholen.
Der 53-jährige Zaki Nasiri hat in Afghanistan als Agraringenieur gearbeitet. Seit drei Jahren ist seine Familie auf der Flucht vor dem Krieg. „Ein paar Leute haben mich bedroht. Die wollten mich töten. Die wollten meine Kinder vernichten. Deswegen bin ich geflüchtet…
Wir haben seelische Probleme und Sorgen. Wir haben keine Papiere, keine Zukunft. Das bedrückt unsere Seele. Ich und meine Frau sind krank vor Sorge.“
Zaki Nasiri hat einen Antrag auf Anerkennung als Kriegsflüchtling gestellt. Die vorläufigen Ausweise der Familie gelten nur bis Mitte April. Er hofft, dass er bleiben kann. In der Zwischenzeit lernt er deutsch.

http://www.rbb-online.de/himmelunderde/archiv/20140301_1800/4.html