Friedrichshain: Flüchtlinge könnten im SEZ wohnen

19.03.2014 Berliner Zeitung: Flüchtlinge könnten im SEZ wohnen

Das „Brückenhaus“ neben dem Sport- und Erholungszentrum SEZ an der Landsberger Allee könnte zur neuen Not-Unterkunft für die Flüchtlinge werden. Offen ist, ob der Eigentümer es dafür vermietet.

Seit Wochen schon versuche man, ihm die Idee mit der Flüchtlingsunterkunft schmackhaft zu machen, sagt Rainer Löhnitz. Zwei Projektentwickler seien damit an ihn herangetreten, berichtet er. Dem 50-jährigen Sachsen gehört das Sport- und Erholungszentrum SEZ an der Landsberger Allee in Friedrichshain. Das leerstehende „Brückenhaus“, ein ehemaliges Verwaltungsgebäude, das etwas versteckt hinter dem grellbunten Haupthaus steht, soll zur Unterkunft für Flüchtlinge vom Oranienplatz und der Gerhart-Hauptmann-Schule werden. Gut 300 Menschen hätten dort Platz.
Am heutigen Donnerstag will sich Löhnitz mit Verantwortlichen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung treffen, am Freitag wollen Experten des für Flüchtlingsfragen zuständigen Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) und Vertreter des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg zu ihm kommen. Beim heutigen Gespräch geht es nicht vorrangig um das Thema Flüchtlinge, sondern allgemein um das SEZ. Das hatte Löhnitz vor elf Jahren vom Liegenschaftsfonds gekauft, für einen symbolischen Euro. Das Haus mit Spaß- und Wellenbad, das nach der Wende als unrentabel geschlossen wurde, sollte wieder zum Sport- und Fitness-Zentrum werden. Löhnitz sanierte Bowlingbahn, Ballsporthalle und Saunen, schuf einen Fitnessbereich und füllte ein paar Wasserbecken. Ein Schwimmbad, wie von vielen erhofft, gibt es nicht wieder.

Bezirk lehnte alle Anfragen ab
Das 1981 eröffnete SEZ sei allein für Sport und Freizeit nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben, sagt Löhnitz. Deshalb hatte er beim Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg drei Bauvoranfragen eingereicht. Die erste sah einen Stellplatz für Wohnmobile auf dem Gelände vor, das „Brückenhaus“ sollte aufgestockt und zu Ferienappartements umgebaut werden. Die zweite Anfrage sah fünf Stadtvillen auf dem SEZ-Gelände vor, Wohnraum für Familien sollte geschaffen werden. Seine dritte Idee war der Abriss des SEZ und ein moderner Neubau, in dem vor allem Studentenwohnungen sowie Sport- und Fitnessangebote vorgesehen waren. Der Bezirk lehnte alle Anfragen ab, Löhnitz legte Widerspruch dagegen beim Senat ein. „Dort gab man mir teilweise recht, am Donnerstag wollen wir darüber reden, wie es jetzt weitergehen soll“, sagt er. Im Senat habe man ihm zudem bedeutet, „dass für Flüchtlinge alles geht.“
Ein Deal könnte also darin bestehen, das „Brückenhaus“ erst mal als Notunterkunft herzurichten. Das könnte frühestens in fünf, sechs Wochen geschehen, sagt Lageso-Sprecherin Silvia Kostner. Denn: „Das Gebäude ist in keinem guten Zustand, es ist viel zu tun, bevor die ersten Menschen einziehen können“, so Kostner. Später, wenn die Notunterkunft nicht mehr gebraucht wird, könnte Löhnitz wie geplant aufstocken und sein Appartementhaus entwickeln.
Voraussetzung dafür, dass alles so läuft, ist jedoch, dass der SEZ-Eigentümer sein „Brückenhaus“ vermietet – an einen Betreiber der Flüchtlingsunterkunft. Ob der umtriebige Unternehmer dies zu tun beabsichtigt, dazu wollte er sich am Mittwoch nicht äußern.

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