Brandenburg hofft „Flüchtlinge könnten die Infrastruktur beleben“

30.07.2014 RBB: Flüchtlinge könnten die Infrastruktur beleben

Sie kommen aus dem Tschad, aus Tschetschenien und aus Nigeria – und wohnen jetzt am Rande vom brandenburgischen Walddrehna. 35 Asylbewerber sind in die Waldsiedlung Pilzheide gezogen. Nun besteht Hoffnung, dass es dort auch bald wieder eine Einkaufsmöglichkeit geben könnte.
Am Rande vom brandenburgischen Walddrehna (Dahme-Spreewald) ist alles grün, gepflegt, und die bunten Neubaublöcke zwischen Kiefern und Birken fallen kaum auf. Mittendrin ist Kinderlachen zu hören: Marbruka, Ramsan, Irsana, Rosalina, Radshid und Aisha gehören in der Kita der Siedlung Pilzheide zu den Neuen. Manche von ihnen sind gerade mal ein Jahr alt.

Nachdem Mitte Juli mehrere Flüchtlingsfamilien nach Waldrehna gezogen waren, waren plötzlich zehn Kinder mehr in der Kita. Für die einheimischen Kinder war das kein Problem erklärt Petra König, die stellvertetende Kita-Chefin. „Sie waren überrascht, dass auch andersfarbige Kinder dabei waren“, erinnert sie sich. „Die waren dann so ein bisschen die Besonderheit.“ Und dann hätten die Kinder gleich versucht, Kontakt aufzunehmen. So wie die 7-jährige Alpha, die gestenreich erklärt, wie sie sich mit den neuen Kita-Kindern per Zeichensprache unterhält.
Wohnungen in der Pilzheide in Walddrehna (Quelle: rbb/Thomas Krueger)Bunt und zwischen Bäumen: Die Siedlung Pilzheide in Walddrehna.

Freude über die Hilfsbereitschaft
Kate Okoro ist 37 und kommt aus Nigeria. Warum sie von dort weggegangen ist, will sie nicht erzählen. Auch andere sprechen nicht über ihre Geschichten. Sie sind froh, hier zu sein, bei guten Leuten, sagt Kate Okoro: „Vorgestern musste ich zum Arzt, wusste aber nicht wo einer ist“, erzählt sie. Eine Frau aus dem Ort habe sie dann mit dem Auto zum Arzt gefahren und zurück, freut sie sich.
Bei allen Flüchtlingen läuft bereits das Asylverfahren und wird maximal ein Jahr dauern. Erst dann steht fest, wer bleiben darf und wer wieder gehen muss.
In acht Wohnungen leben die Neuankömmlinge seit Mitte Juli. Zuvor war in einer Einwohnerversammlung besprochen worden, dass sie hierher ziehen. Überrascht ist also niemand – und doch, manchem fällt die Toleranz schwer. „Natürlich ist es für uns eine ganz große Umstellung mit den vielen Kindern“, erklärt eine Anwohnerin. „Ich bin mal hierher gezogen der Ruhe wegen. Das ist jetzt vorbei.“
Doch eine andere Bewohnerin hält dagegen: „Ich finde es toll, dass wieder Leben drin ist. Die Kinder spielen auf der Straße und man hört wieder Kinderlachen.“

Hoffen auf den Tante-Emma-Laden
Was hier in der Waldsiedlung allerdings fehlt, ist ein Tante Emma-Laden, und auch ein Arzt am Ort wäre gut – für beides müssen die Asylbewerber den Bus nehmen. Der fahre noch zu selten, sagen sie. Vielleicht klappt es ja bald mit einem Laden. Der Eigentümer der Wohnblöcke hat angekündigt, das Pilzkörbchen als wohnortnahe Einkaufsmöglichkeit wieder zu eröffnen.
Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos) sieht die Sache pragmatisch. Für ihn sind die 35 Neubewohner wichtig für mehr Infrastruktur: „Langfristig hoffe ich schon, dass sich das für uns positiv auswirkt, unsere Unternehmen warten durchaus auch auf neue Mitarbeiter.“

http://www.rbb-online.de/politik/thema/streit-um-fluechtlingsheime/beitraege/Asylbewerber-Wohnungen-in-Walddrehna.html