Solidarität in Adlershof

04.08.2014 Berliner Abendblatt
Solidarität in Adlershof

Vor der Eröffnung der neuen Flüchtlingsunterkunft in Adlershof machten Meldungen über rechtsextreme Hetze gegen die Einrichtung die Runde. Dieser Tage stellt sich ein anderes Bild dar: Die Bewohner erfahren eine Welle der Solidarität. Unterschiedlichste Kreise finden sich zusammen, um die Menschen im Alltag zu unterstützen. Kürzlich übergaben Ulrich Pröve und Ulrich Zacharias im Namen des Dienstleistungsnetzwerks Adlershof für die 80 Kinder im Flüchtlingsheim in der Radickestraße einen Tischkicker und eine Tischtennisplatte.

Nichts gelernt
Jenes Netzwerk hatte sich kurzfristig zu diesen Spenden entschlossen, nachdem die Wista in Adlershof zu Sachspenden aufgerufen und eine Liste der am meisten benötigten Sachen veröffentlicht hatte. „Wir haben unsere Mitglieder zu weiteren Spenden wie Kinderbücher, Buntstifte und Bastelmaterial ermuntert“, so Zacharias. Das Flüchtlingsheim werde demnächst auch Kleiderspenden entgegennehmen. Zacharias: „Dann wollen wir einen weiteren Aufruf an unsere Mitglieder und alle Unternehmen in Adlershof starten.“
Die Wista hatte zuvor darauf hingewiesen, dass die rechte Hetze gegen die Adlershofer Flüchtlingsunterkunft im Internet und auf Flugblättern, die im Frühjahr deutlich zugenommen hatte, nicht zuletzt den Wirtschaftsstandort Adlershof gefährde. Auch Zacharias findet klare Worte: „Von den Protesten der Ewiggestrigen haben wir gehört und sind natürlich entsetzt. Es geht uns in Deutschland und Europa so gut, dass uns Menschenfreundlichkeit und eine Kultur der Gastfreundschaft sehr gut zu Gesicht steht. Wer nicht zu teilen bereit ist, hat aus der Geschichte nichts gelernt und kann nur als unsäglich dumm bezeichnet werden. Gott sei dank handelt es sich nur um ganz wenige Verwirrte.“

Spielplatz fertig
Nach Angaben des Sprecherrats des Runden Tisches Adlershof ist die Unterkunft im früheren „Hotel Berolina“ in der Radickestraße derzeit voll belegt. Ein Kreis aus 30 Anwohnern habe sich zusammengefunden, um Fußball- und Sprachkurse anzubieten und bei der Kinderbetreuung zu helfen. „Die Menschen brauchen dringend Spiel- und Bastelmaterial, um sich und ihre Kinder zu beschäftigen“, sagt Hans Erxleben vom Sprecherrat. Die örtliche Bibliothek habe eine erste Lieferung bereitgestellt, darunter waren auch besonders gefragte englischsprachige Bücher. Dieser Tage wird zudem ein Spielplatz auf dem Außengelände fertiggestellt. Für September ist ein Sommerfest geplant.
Die rassistische Propaganda gegen die Flüchtlinge habe abgenommen, gänzlich verschwunden sei sie nicht, so Erxleben. Der Linke-Politiker ermutigt Anwohner, die Kritik oder Fragen zum Heim vorbringen möchten, sich direkt an den Runden Tisch zu wenden. „Der Runde Tisch bezieht die Zivilgesellschaft mit ein und lässt keine Anfrage unbeantwortet“, betont Erxleben. „So werden Unsicherheiten aus dem Weg geräumt.“

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