Reinickendorf: Flüchtlingskinder dürfen ohne polizeiliche Verkehrsschulung nicht Fahrradfahren

09.08.2014 Berliner Abendblatt
Integration auf zwei Rädern

Manchmal sind es die kleinen Ideen, die den großen Unterschied machen. Das Thema Flüchtlinge ist auch in Reinickendorf in den Mittelpunkt gerückt, oft verbunden mit Sorgen, Vorbehalten und Ängsten seitens der Anwohner. Doch zwei Projekte verdeutlichen, wie sich Integration der Flüchtlinge im Bezirk vorwärts bringen lässt und wie die neuen und alten Anwohner näher zusammengebracht werden können. So eröffnete in dem Flüchtlingsheim in der Oranienburger Straße vergangenen Juli eine Fahrradwerkstatt, in der sich Flüchtlingskinder Räder leihen können und so besser ihre neue Umgebung erkunden, zur Schule oder zum Sportverein fahren können. Für die Kinder bedeuten die Drahtesel nicht nur mehr Mobilität sondern auch ein großer Schritt Richtung erfolgreicher Integration. „Es ist schön zu sehen, wie stolz die Kinder auf den geliehenen Rädern ihre Umgebung erkunden,“ so Projektleiter Richard Palm.

Polizei hilft mit
Das Projekt wird auch von der Polizei unterstützt, die den jungen Flüchtlingen in Kursen Verkehrsregeln beibringt. Bei den ganz Kleinen ist eine erfolgreiche Teilnahme an dem Kurs Voraussetzung, um sich überhaupt ein Rad leihen zu dürfen. Träger des Projekts ist die soziale und gesundheitliche Einrichtung Albatros. Von dem Projekt profitieren auch erwachsene Flüchtlinge, die ehrenamtlich Reparaturarbeiten in der Werkstatt übernehmen. „Da die Asylbewerber nicht arbeiten dürfen, finden sie in der ehrenamtlichen Tätigkeit eine sinnvolle Beschäftigung“, sagt Richard Palm. Auch Arbeitssuchende oder Menschen, die sich beruflich neu orientieren wollen, sind in der Werkstatt tätig. „Durch die gemeinsame Arbeit wird der kulturelle Austausch gefördert“, erzählt Palm. Mittlerweile sind bereits 50 Fahrräder in der Werkstatt, die gespendet wurden. Viele Anwohner helfen auch ehrenamtlich in der Werkstatt. „Seitdem Begegnungsfest 2013, welches angeregt durch das „Netzwerk für Flüchtlinge in Reinickendorf“ den Austausch zwischen Bewohnern des Bezirks und Bewohnern in Asylbewerbern fördern sollte, ist bei Reinickendorfer das Interesse an Hilfe für Flüchtlinge stark gestiegen“, so der Integrationsbeauftragte Oliver Rabitsch.

Positive Bilanz
Auch die Reinickendorfer Sprachkurse für junge Flüchtlinge könne diesen Sommer eine positive Bilanz ziehen. Weil der Kurs im Juli mit über hundert Anmeldungen von Mädchen und Jungen ein großer Erfolg war, starteten diese Woche zwei weitere Feriensprachschulen im Interkulturellen Mädchentreff und im Jugendcafe Laiv in der Auguste-Viktoria-Allee 17 und 16 c sowie in der Gesobau-Nachbarschaftsetage im Märkischen Viertel. Dort werden die Kinder und Jugendlichen täglich drei Wochen lang vormittags auf spielerische Art unterrichtet und am Nachmittag weiter betreut und können die Freizeitangebote der Einrichtungen nutzen. So können sie neue Kontakte knüpfen und bei gemeinsamen Exkursionen die Freizeitmöglichkeiten im Kiez kennenlernen.

Viel aufzuholen
„Was Flüchtlinge angeht, hat Reinickendorf eine Menge aufzuholen“, so Rabitsch. Schließlich gibt es in Reinickendorf überhaupt erst seit einigen Jahren Unterkünfte für Asylbewerber. Aber der Integrationsbeauftragte ist überzeugt: „Im Bezirk hat sich eine Menge getan.“

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