Kasernen als Flüchtlingsheime

14.08.2014 Berliner Zeitung
Kasernen als Flüchtlingsheime

Die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber in Deutschland steigt. Doch Wohnraum ist knapp, die Mieten hoch. Entwicklungshilfeminister Gerd Müller fordert, die Vertriebenen auch in leerstehenden Kasernen der Bundeswehr unterzubringen.

Es würde nicht alle Probleme lösen, aber es wäre eine Hilfe: 31 Kasernen sollen wegen der Verkleinerung der Bundeswehr geschlossen, weitere 91 verkleinert werden. Es gibt also leerstehende Gebäude, die für die Unterbringung vieler Leute gebaut wurden. Es gibt Flüchtlinge, die eine Unterkunft brauchen. Wie das zusammenpasst, liegt auf der Hand. „Das würde die Kommunen erheblich entlasten. Hier müssen bürokratische Hemmnisse und Vorbehalte überwunden werden, um den Druck und die Not in den Kommunen sofort zu entschärfen“, sagte Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) der „Passauer Neuen Presse“.
Der Bürgerkrieg in Syrien, die Gewalt der Isis-Truppen im Irak wird den Flüchtlingsstrom anschwellen lassen. 60 Prozent mehr Asylanträge als im Vorjahr wurden im ersten Halbjahr dieses Jahres registriert. Wo sollen sie hin?
Sache der Kommunen, könnte der Bund sagen. Städte und Gemeinden sind zuständig für Unterbringung, Sprachkurse, Gesundheitsversorgung. Aber vielerorts ist der Wohnraum knapp, die Mieten teuer. Das gilt nicht nur für Großstädte, sondern auch für Urlaubsregionen wie das Allgäu, der Heimat von Minister Müller. Dort hat die Sonthofener CSU einen Antrag auf Kasernennutzung gestellt.
Als Notbehelf gelten in Kommunen sonst Container. Auf die könnte man verzichten, wo es leere Kasernen gibt. Der Bund sollte sich also einen Ruck geben, und nicht auf das Geld schielen, das er durch den Verkauf seiner Militär-Liegenschaften zu erringen hofft. Viel mehr als eine Hoffnung dürfte das in den meisten Fällen ohnehin nicht sein.
Dass mit dem Konzept „Kasernen zu Flüchtlings-Wohnheimen“ flächendeckend die Schwierigkeiten bei der Unterbringung von Flüchtlingen gelöst werden, sollte man allerdings nicht erwarten. Das Geld der Kommunen ist das eine, die Akzeptanz in der Bevölkerung das andere. Entscheidend ist, dass die Kommunen die Aufnahme der Neuen gut begleiten, dass informiert wird, Vorurteilen begegnet und Gemeinsamkeit geschaffen wird. Wenn es statt dem Container- ein Kasernen-Ghetto gibt, mag das billiger sein. Besser ist es nicht.

http://www.berliner-zeitung.de/politik/fluechtlinge-kasernen-als-fluechtlingsheime,10808018,28120872.html