Aktueller Stand der ZAA: Turnhallen, Zelte und volle 8 Mitarbeiter, die Unterbringungsmöglichkeiten suchen…

9.9.2014 Morgenpost
Mehr als 1000 Flüchtlinge im Monat – Berlin sucht dringend Unterkünfte

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Berlin, doch die Unterkünfte sind voll. Zwei Turnhallen hält Sozialsenator Mario Czaja in Reserve, falls der Senat Menschen kurzfristig Schlafplätze anbieten muss.

Berlin richtet sich auf einen lang anhaltenden Andrang von Flüchtlingen ein. Die zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber an der Turmstraße in Moabit hat nach dreitägiger Schließung am Montag wieder geöffnet. 300 Menschen stellten dort an einem Tag ihre Erstanträge auf Asyl in Deutschland, 200 weitere drängten sich im Wartesaal aufgrund regulärer Termine in ihrem laufenden Verfahren. Zwei Turnhallen hält Sozialsenator Mario Czaja (CDU) in Reserve, falls der Senat Menschen kurzfristig Schlafplätze anbieten muss. Diese Massenquartiere könnten innerhalb weniger Stunden hergerichtet werden, so Czaja.

Vor der Tür des Landesamtes für Gesundheit und Soziales ließ die Behörde inzwischen Zelte aufbauen. Dort betreute die Berliner Stadtmission am Montag mehrere Hundert wartende Flüchtlinge, 40 Dolmetscher führten die Erstberatung durch und Helfer teilten Luftballons für die Kinder aus. Außerdem rief die Senatssozialverwaltung 20 neue Mitarbeiter, die erst im Herbst eingestellt werden sollten, zur Unterstützung hinzu. Nach kurzer Einarbeitungszeit sollen sie die 25 regulären Dienstkräfte entlasten, die die Asylanträge aufnehmen und die Menschen in die Unterkünfte vermitteln. Für die nächsten Tage sollen die Beschäftigten in zwei Schichten arbeiten, um dem Ansturm Herr zu werden. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Syrien, Serbien und Eritrea.

Ein Krisenstab mit acht Mitarbeitern ist damit beschäftigt, die dringend benötigten Unterkünfte zu besorgen. Sozialsenator Czaja sagte am Montag, durch personelle und organisatorische Verbesserungen sei es nun gelungen, für ordnungsgemäße Verfahren zu sorgen.

Alle Prognosen übertroffen
Nach Czajas Worten übersteigt die Zahl der neu nach Deutschland kommenden Flüchtlinge alle Prognosen. Diese seien schon veraltet, wenn das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) seine Vorhersagen in Nürnberg abschicke. Anfang des Jahres rechnete man für Berlin mit rund 600 Antragstellern pro Monat. Im August hieß es aus Nürnberg, Berlin solle sich auf 900 Flüchtlinge im Monat einstellen. Aber im Juli waren es bereits 1047 Asylanträge von Menschen, die auch in Berlin bleiben sollen.
Im August stieg die Zahl nochmals auf 1145 Personen an. Über die drei Sommermonate 2014 gesehen, kamen fast doppelt so viele Asylbewerber wie vor einem Jahr. Und die Erfahrung lehre, dass die Zahlen im vierten Quartal weiter ansteigen, sagte Czaja. Der Zustrom erhöht den Druck auf den Senat, denn nur 350 Flüchtlinge machen monatlich Plätze in Wohnheimen frei. Czajas Beamte arbeiten mit Hochdruck daran, neue Unterkünfte oder Flächen für Containerbauten zu finden. Allein in den letzten drei Tagen wurden 500 neue Plätze in fünf Einrichtungen in Mitte, Lichtenberg, Prenzlauer Berg und Reinickendorf geschaffen.
Die Flüchtlinge, die zuletzt auf dem Dach eines Hostels an der Friedrichshainer Gürtelstraße protestiert hatten, kamen unterdessen bei der evangelischen Kirche unter. Die sieben Männer aus dem Niger erhalten in der Heilig-Kreuz-Kirche in Kreuzberg kurzfristig humanitäre Hilfe.

Demonstration in Friedrichshain
Am Montagabend haben sich laut Polizei rund 650 Unterstützer der Flüchtlinge vom Oranienplatz an der Warschauer Straße versammelt, um gegen die Asylpolitik zu demonstrieren. Es sei zu einzelnen Flaschenwürfen gekommen, als sich plötzlich etwa 150 von ihnen losgelöst hätten und durch Friedrichshain in Richtung Gürtelstraße gezogen seien.
Ansonsten blieb die Veranstaltung den Angaben zufolge weitgehend friedlich. Nach etwa zwei Stunden löste die Polizei die Demonstration am Boxhagener Platz auf.

http://www.morgenpost.de/berlin/article132031155/Mehr-als-1000-Fluechtlinge-im-Monat-Berlin-sucht-dringend-Unterkuenfte.html