Reinickendorf diskutiert Unterbringung

12.9.2014 Berliner Abendblatt
Neue Bewohner, neue Herausforderungen

Der Zustrom an Flüchtlingen wird auch in Reinickendorf nicht abnehmen. Zurzeit werden im Bezirk rund tausend Flüchtlinge in drei Unterkünften versorgt und im Asylverfahren betreut. Doch was genau bedeutet es für den Bezirk, Flüchtlinge bei sich willkommen zu heißen? Dieser Frage wollte auch der Mädchen- und Frauenbeirat Reinickendorf auf den Grund gehen und lud kürzlich alle Interessierten zu einer Podiumsdiskussion in der Albert-Schweitzer-Kirche ein, der unter anderem Uwe Brockhausen, Stadtrat für Wirtschaft und Bürgerfragen, und der Reinickendorfer Integrationsbeauftragte, Oliver Rabitsch, beiwohnten. Dabei diskutierten die Anwesenden vor allem, wie durch eine bessere Verteilung der Unterbringung die Infrastruktureinrichtungen der Region West unterstützt und entlastet werden könnten. Schließlich konzentrieren sich die Flüchtlingsunterbringungen bisher auf den Kiez um die Auguste-Victoria-Allee. Stattdessen sollten weitere Flüchtlingsunterbringungen in sozial weniger belasteten Ortsteilen geplant werden, wie beispielsweise dem reichen Norden. Nur 35 Prozent der Flüchtlinge sind hingegen in Wohnungen untergebracht.

Bessere Verteilung
Auch Uwe Brockhausen äußerte die Notwendigkeit einer besseren Verteilung der Flüchtlinge in Reinickendorf, um die Integration zu erleichtern: „Menschen, die hilfebedürftig sind, sollte man nicht an einem Ort konzentrieren.“ Erstrebenswert sei dabei vor allem, einen größeren Teil der Asylsuchenden in Wohnungen unterzubringen. Keine leichte Aufgabe angesichts der angespannten Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt. Allerdings könnten auch sogenannte Wohncontainer wie sie bereits im Bezirk Neukölln stehen würden, eine Unterbringungsmöglichkeit darstellen.

Größtes Kapital
Doch nicht nur die Frage der Unterbringung, sondern auch die Haushaltslage des Bezirks stelle eine Herausforderung für eine erfolgreiche Integration der neuen Bewohner da. Immerhin müssten an Unterkünfte auch entsprechende Maßnahmen geknüpft werden, wie beispielsweise Sprachkurse oder Hilfsangebote für Flüchtlingsfrauen. Und die kosten Geld. Aus welchen Kassen das kommen soll, sei unklar, denn dem Bezirk würde es an vielen Ecken an Geld mangeln, so Uwe Brockhausen. In einer Sache gab es Konsens zwischen den Anwesenden: Ohne die Unterstützung der Reinickendorf Gesellschaft kann die Integration der neuen Bewohner nicht funktionieren. Das finge schon bei Akzeptanz an, aber auch Spenden und ehrenamtliche Hilfe seien nach wie vor benötigt. Doch die Flüchtlinge sind nicht nur auf den Bezirk angewiesen. Auch Reinickendorf braucht die neuen Bewohner, vor allem angesichts der demografischen Entwicklung des Bezirks. 2030 ist jeder zweite Reinickendorfer älter als 65 Jahre. „Flüchtlinge gehören zu unserem größten Humankapital“, betont Hansjörg Behrend vom Reinickendorfer Flüchtlingsnetzwerk die Wichtigkeit einer erfolgreichen Integration.

Gemeinsames Essen
Um die Distanz zwischen den neuen und alten Bewohnern zu verringern, findet am 13. September ein Begegnungsfest auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Klinik, Oranienburger Straße 285, statt. Ab 13 Uhr können sich die Reinickendorfer Nachbarn und die Eltern und Kinder der drei Wohnheime für Flüchtlinge bei Spielangeboten, gemeinsamen Essen und einem Bühnenprogramm kennenlernen.

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