Willkommensfest in Steglitz-Zehlendorf

29.09.2014 Berliner Abendblatt
Ein paar Stunden die Sorgen vergessen

In der letzten Woche sollte ein unbeschwertes Willkommensfest für die Flüchtlinge im Mehrgenerationenhaus Phoenix, Teltower Damm 228, stattfinden. Aber genau an dem Tag wurde der Weg für das umstrittene Asylgesetz der Bundesregierung frei. Serbien, Mazedonien und Bosnien gelten jetzt als sichere Herkunftsländer. Neben der Freude, sicher untergekommen zu sein, neben dem Tanz, der Musik und dem leckeren Essen spiegelten sich auch Zukunftsängste in den Augen der Roma und Sinti.

Ängste abbauen
Das Willkommensbündnis in Steglitz-Zehlendorf hatte vor allem Menschen aus der Unterkunft in der Goerzallee und deren überwiegend deutsche Nachbarn eingeladen. Und viele waren der Einladung gefolgt: Rund 200 Flüchtlinge, Anwohner, Vertreter aus Politik und Bezirksverwaltung sowie der Betreiber der Flüchtlingsunterkunft. „Angesichts steigender Flüchtlingszahlen wollen wir ein positives Zeichen setzen und eine gemeinsame Willkommenskultur etablieren. Damit können wir Ängste und Vorbehalte auf beiden Seiten abbauen und dafür sorgen, dass es ein friedliches und solidarisches Miteinander gibt“, erklärte Günther Schulze vom Willkommensbündnis. Beim Fest waren die schwierige Situation der Flüchtlinge, die Alltagsprobleme, das ewige Warten und die Ungewissheit, wie es für jeden einzelnen weitergehen wird, für ein paar Stunden vergessen. Sprachbarrieren wurden durch gemeinsames Tun überbrückt und alle brachten etwas aus ihrer Kultur ein. „Jigsaw“,die Jugendband des Phoenix, präsentierte ihre Musik ebenso wie Mitri, ein Flüchtling aus Serbien. Beim traditionellen Bauchtanz und den Kreistänzen lernte man sich leicht kennen – ohne Worte. Für die Kinder war alles noch einfacher: Warum überhaupt reden, wenn man zusammen auf der Hüpfburg spielen, sich beim Schminken in einen wilden Tiger verwandeln kann und mit Bällen nach Holz-Fröschen wirft? Nachdem die Übergabe des Gebäudes mehrfach verschoben werden musste, sind Anfang August die ersten Flüchtlinge in die Goerzallee 307 eingezogen. Aktuell leben dort etwa 140 Menschen, von denen der überwiegende Teil aus Bosnien und Serbien stammt. Da die notwendigen Umbaumaßnahmen andauern, können die vorgesehenen Plätze für insgesamt 200 Personen noch nicht vollständig belegt werden.Noch immer fehlen geeignete Unterkünfte, um die
für Steglitz-Zehlendorf geplante Anzahl von 1.000 Flüchtlingen aufnehmen zu können. Zurzeit leben etwa 250 Flüchtlinge in den Unterkünften Goerzallee und Klingsorstraße.
Was die hinter sich haben, ist kaum vorstellbar.

Große Hilfe
Das im Mai 2014 gegründete „Willkommensbündnis für Flüchtlinge in Steglitz-Zehlendorf“ hat großen Zuspruch. „Wir werden von fast 400 Bürgern unterstützt. Ich habe keinerlei negative Erfahrung gemacht – ganz im Gegenteil, die Hilfe ist groß“, freut sich Günther Schulze. Seine Antwort auf Angst und Unbehagen ist die Mischung der Kulturen. Die Menschen lernen sich am besten beim Kochen, Gärtnern, beim Sport und Musizieren kennen – zum Beispiel auf einem Willkommensfest“, erklärt Schulze.

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