Lichtenrade: Neue Unterkunft für Flüchtlinge

40 Flüchtlinge sind Mitte September in das ehemalige Seniorenpflegeheim am Kirchhainer Damm 74 gezogen. Im Augenblick nur als Notunterkunft eingerichtet, soll aus dem Gebäude nach Abschluss aller erforderlichen Umbaumaßnahmen eine Gemeinschaftsunterkunft für Menschen werden, die sich noch im Asylverfahren befinden. 250 Plätze stehen dann zur Verfügung. Am 10. Oktober findet für Anwohner und Nachbarn eine Informationsveranstaltung in der Salvatorkirche statt.

Riesiger Bedarf
Der Standort am Kirchhainer Damm war im Voraus umstritten. Der CDU-Abgeordnete Dr. Jan-Marco Luczak war der Auffassung, dass den Lichtenradern mit einem Asylheim neben Fluglärm und Jugendknast zu viel zugemutet würde. Stadträtin Dr. Sibyll Klotz (Grüne) wollte es eher den Asylsuchenden nicht zumuten, „so weit weg vom Schuss“ ein neues Leben zu beginnen. Letztendlich aber lag die Entscheidung in den Händen des Senator Mario Czaja (CDU) unterstellten Landesamtes für Gesundheit und Soziales. „Die Unterkünfte für Flüchtlinge in Berlin reichen vorne und hinten nicht“, sagt Klotz. Sie sehe zwar noch immer Nachteile im Standort, denn dieser sei zu weit und abgeschnitten und außerdem fehle es in der Gegend an Grundschulkapazitäten. „Aber der Bedarf an Unterkünften ist so groß, dass diese Nachteile nicht berücksichtigt werden können“, so Klotz. An sich biete das ehemalige Seniorenheim gute Voraussetzungen für die Unterbringung von Asylsuchenden, sagt Ewald Möller vom Evangelischen Jugendfürsorgewerk, das die Unterkunft betreibt. Die meisten Räume verfügen über eigene Sanitäranlagen. Allerdings würden noch zahlreiche bauliche Maßnahmen anstehen, vor allen in Sachen Brandschutz müsse aufgerüstet werden. „Wir sind gerade dabei, alles Notwendige zu schaffen und telefonische Erreichbarkeit herzustellen“, sagt Möller. In Zukunft ist mit dem benachbarten Sportverein VfL Lichtenrade eine Kooperation geplant, um die Flüchtlinge in ihr neues Umfeld zu integrieren. „Denn Sport verbindet und hilft über Sprachbarrieren hinaus“, findet Möller. Sehr froh sei er über das Angebot des Vereins, sich gemeinsam über Angebote für die Flüchtlinge auszutauschen. Weiterhin werden Sozialpädagogen für die Bewohner am Kirchhainer Damm zur Verfügung stehen, ihnen bei Botengängen, Anträgen oder Arztbesuchen helfen.

Hilfe ist nötig
Bürgerproteste und Aufruhr hat es vor ein paar Monaten von einzelnen Anwohnern gegeben, als zur Sprache kam, dass das ehemalige Seniorenheim am Kirchhainer Damm als Flüchtlingsheim genutzt werden könnte. Bisher jedoch habe es bis auf einzelne Leute, die sich über eine mögliche steigende Kriminalitätsrate in der Gegend beschwert haben, keine Kundgebungen oder andere öffentliche Proteste gegeben. Und das soll auch so bleiben. Das Bezirksamt und das Landesamt für Gesundheit und Soziales appellieren an die Lichtenrader, die neue Unterkunft für Flüchtlinge und Asylsuchende positiv zu begleiten. „Ich wünsche mir, dass die Lichtenrader mit Verständnis und offenen Herzen diesen Menschen, die Krieg und Vertreibung erlebt haben, gegenübertreten und ihnen Hilfe anbieten“, sagt Sibyll Klotz. Zum Austausch lädt Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler am 10. Oktober, um 19 Uhr Anwohner und Nachbarn zu einer Informationsveranstaltung in die Salvatorkirche ein.
Momentan sind in Tempelhof-Schöneberg rund 850 Flüchtlinge untergebracht Diese verteilen sich auf die Einrichtung Trachenbergring mit 181 Personen, das Übergangswohnheim Marienfelder Allee mit 667 Personen und das Gebäude am Kirchhainer Damm. Damit befindet sich der Bezirk im berlinweiten Ranking an fünfter Stelle nach Mitte, Spandau, Lichtenberg und Reinickendorf. Sobald die Einrichtung am Kirchhainer Damm voll belegt werden kann, werden rund 1.100 Personen im Bezirk untergebracht sein. Damit liegt der Bezirk nicht weit von der verabschiedeten Zielzahl von insgesamt 1.288 Flüchtlingen und Asylbewerbern entfernt, teilt die Verwaltung mit.