Mitte will keine Traglufthallen als Notunterkünfte

28.10.2014 Berliner Zeitung
Mitte will keine Traglufthallen als Notunterkünfte

„Ein Armutszeugnis für die deutsche Hauptstadt“: Der Bezirk Mitte wehrt sich dagegen, dass Flüchtlings-Familien in Berlin demnächst auch in Traglufthallen untergebracht werden sollen. Auch in Notsituationen müssten Mindeststandards gelten.

Der Bezirk Mitte hat die Pläne von Sozialsenator Mario Czaja (CDU) kritisiert, Flüchtlingsfamilien in Traglufthallen auf dem Gelände des Poststadions unterzubringen. „Flüchtlinge brauchen Privatsphäre“, sagte am Dienstag Bürgermeister Christian Hanke (SPD), „in einer Traglufthalle ist ein der Fluchtsituation angemessenes Leben nicht möglich.“
Czajas Task Force für die Notunterbringung von Flüchtlingen hat dem Bezirk bereits die Zuständigkeit für einen Kunstrasenplatz im Poststadion nahe der Kruppstraße entzogen. Dort sollen Mitte November zwei Traglufthallen aufgestellt werden: 70 und 35 Meter lang sowie jeweils 18 Meter breit. In den Hallen werden Toiletten- und Sanitärcontainer installiert. Um für die Familien Séparées zu schaffen, sollen Sperrholzwände oder verkleidete Bauzäune aufgestellt werden. 200 Flüchtlinge sollen dort untergebracht werden. Betreiber ist die Berliner Stadtmission. Anfang dieses Jahres hatte das Land für die Kältehilfe bereits eine Traglufthalle am Innsbrucker Platz errichtet.
Die Traglufthallen in Moabit sollen bis 31. Mai 2015 als Notunterkunft dienen, sollte eine andere Unterbringung nicht möglich sein. „Es ist ein Armutszeugnis für die deutsche Hauptstadt, 200 Flüchtlingen – Familien mit Kindern – kein angemessenes Obdach ermöglichen zu können“, sagte Hanke. Auch in Notsituationen müssten Mindeststandards gelten, sagte Stephan Winkelhöfer vom Integrationsbüro des Bezirks. Dem Land seien leerstehende Schulen angeboten worden.
Nach Spandau leben in Mitte die meisten Flüchtlinge, in acht Einrichtungen, darunter Hostels und Schulen, leben 1 600 Menschen. Wie Winkelhöfer sagte, gebe es für die Flüchtlinge viel Unterstützung von Anwohnern und Kiezinitiativen. Am Poststadion werden die Bewohner informiert, Absprachen gebe es mit dem Fußballklub BAK, der dort Hauptnutzer ist und das Vorhaben des Landes unterstützt.
Berlin erwartet in diesem Jahr 12 000 Flüchtlinge. Um sie unterzubringen will Czaja auf landeseigenen Grundstücken auch sechs Containerdörfer für 2 400 Menschen errichten lassen. Die erste Einrichtung soll vor Weihnachten eröffnen, die anderen Anfang 2015.

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