Personalrotation in Neukölln: PeWoBe entlässt Sozialarbeiterinnen und findet keinen Ersatz

28.10.2014 Berliner Abendblatt
Fluchtpunkt Neukölln
Neue Unterkunft in Karl-Marx-Straße – Heimbetreiber in Späthstraße umstritten

Bis Ende Dezember werden seit Jahresbeginn 11.500 Flüchtlinge Berlin erreicht haben, so der Senat. Für 1.500 Menschen mehr als vom Bundesamt für Migration vorausgesagt werden derzeit Plätze in Unterkünften geschaffen. Den Ansturm bekommt auch Neukölln zu spüren. Voraussichtlich im kommenden Frühjahr wird eine neue Flüchtlingsunterkunft an der Karl-Marx-Straße 269–273 eröffnet. Drei Containerbauten für jeweils rund 100 Flüchtlinge will der private Träger Soziales Wohnen auf dem ehemaligen Bewag-Sportplatz an errichten. Darüber hinaus sei eine Kita geplant, die auch allen anderen Anwohnern zur Verfügung stehen soll, teilt Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (Grüne) mit. Demnach beabsichtigt der Betreiber, eine Betreuung „über die vorgeschriebenen Standards hinaus“ sowie Räumlichkeiten für Schul- und Ausbildungsprogramme anzubieten. „Das Bezirksamt steht dem Vorhaben insgesamt positiv gegenüber“, so Szczepanski.
Zurückhaltend äußert sich der Stadtrat zum im März dieses Jahres eröffneten Flüchtlingsheim in der Späthstraße, das jetzt Thema von Anfragen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und im Berliner Abgeordnetenhaus war. In einer gemeinsamen Anfrage an das Bezirksamt wollten Grüne und Linke wissen, wie es um die Sozialarbeit in der Einrichtung und den Umgang mit den Mitarbeitern bestellt ist. Zuvor war bekannt geworden, dass zwei Mitarbeiterinnen gekündigt worden waren. Sie sollen gewerkschaftlich engagiert sein. Derzeit wird ihr Fall vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Laut Szczepanski sind derzeit 1,5 Stellen von 2,5 Stellen, die im Personalschlüssel vorgesehen sind, unbesetzt. Der private Betreiber Pewobe suche derzeit nach Ersatz. Um Engpässe in den kürzlich eröffneten Unterkünften in Pewobe-Regie zu überbrücken, so Szczepanski, werde, unter Absprache mit den Betroffenen, auf eingearbeitetes Personal zurückgegriffen. Von einer, wie von Grünen und Linken befürchteten, generellen Rotation könne keine Rede sein.
Insgesamt sieben Flüchtlingsunterkünfte unterhält die Pewobe in Berlin. Allein das lässt bei vielen Bezirksverordneten Zweifel aufkommen, zumal es in Neukölln keine Ausschreibung gegeben hatte. „Warum übernimmt Pewobe immer mehr Einrichtungen, obwohl die permanente Unterbesetzung in der Späthstraße zeigt, dass es der Betrieb nicht funktioniert?“, fragte Grünen-Fraktionschefin Gabriele Vonnekold in der BVV. Das zuständige Landesamt für Gesund und Soziales verteidigt die Vergabepraxis. „Neue Objekte werden in der Regel von den Betreibern angeboten, sodass eine Ausschreibungsmöglichkeit nicht besteht“, so Sprecherin Silvia Kostner. „Die Pewobe gehört zu unseren langjährig erfahrenen Betreibern und war damit also auch geeignet für die Betreiberschaft in der Späthstraße.“ Auch Szczepanski findet es problematisch, dass zunehmend private Betreiber bei Flüchtlingsheimen zum Zug kommen: „Bei gemeinnützigen Trägern lässt sich der Betrieb viel besser mit ehrenamtlichem Engagement verknüpfen.“

http://www.abendblatt-berlin.de/2014/10/28/fluchtpunkt-neukoelln/