RBB: Asylbewerber landen auf der Straße

28.11.2014 RBB: Asylbewerber landen auf der Straße

Berlins Asylbewerberheime sind voll. Die Mitarbeiter des Landesamt für Gesundheit und Soziales, die für die Verteilung der Flüchtlinge verantwortlich sind, sind überfordert. Und zuletzt führten ansteckende Krankheiten zum Aufnahmestopp. Wer jetzt ankommt, wird daher an Hostels verwiesen oder bekommt ein Zugticket in die Hand gedrückt. Doch das klappt nicht immer. Von Oliver Soos

Wenn Flüchtlinge in Berlin ankommen, führt sie der erste Weg in der Regel nach Moabit, in die Turmstraße, zum Landesamt für Gesundheit und Soziales. Dort ist der Wartesaal voll. Eine Frau mit drei Kindern weint. Weil sie serbo-kroatisch spricht und ich auch, frage ich, was los ist. „Ich weiß auch nicht“, sagt sie, „ich war gerade drinnen. Die Frau am Tresen hat serbisch gesprochen und mich gefragt, ob ich aus Serbien komme und ich habe gesagt: ‚ja, wir sind Roma.‘ Dann hat sie mir diesen Zettel gegeben. Ich soll am 9. Dezember wiederkommen, das sei mein Anmeldetermin. Ich habe gesagt: ‚Das sind ja noch zwei Wochen, ich weiß nicht, wo wir schlafen sollen.‘ Die Frau sagte nur: ‚Schauen sie, dass sie sich irgendwie zurechtfinden.‘ Und dann hat sie mich rausgeworfen.“
Mariana Ismailovic bittet mich, der Familie zu helfen. Wir gehen nach draußen. Mir fällt spontan ein Flüchtlingsheim ein, wenige hundert Meter entfernt, an der Ecke Alt-Moabit, Elberfelder Straße. Unterwegs erzählt Mariana, warum sie mit ihrem 19-jährigen Sohn und den Töchtern, 17 und 7, aus dem serbischen Nis nach Berlin gekommen ist.
„Wir haben dort in einem kleinen Zimmer gewohnt ohne Bad. Mein Mann ist gehbehindert, er musste in Serbien bleiben. Meine Kinder haben Flaschen gesammelt und ungefähr 80 Euro im Monat verdient. Immer wieder wurden sie angegriffen und geschlagen. Dann habe ich einen Mann kennengelernt. Er hat gesagt: ‚Ich bringe euch nach Deutschland, da habt ihr bessere Chancen, da können deine Kinder in die Schule gehen.‘“

800 Euro für ein hohles Versprechen
Dass Flüchtlinge aus Serbien in der Regel kein Asyl bekommen, das hat der Mann verschwiegen. Er hat die Familie einfach mit dem Auto in Berlin abgesetzt und ihre Pässe einbehalten. 800 Euro will er dafür.
Wir kommen in der Flüchtlingsunterkunft an. Kirstin Frohnapfel vom Arbeiter Samariter Bund begrüßt uns freundlich, bittet die Familie herein, schenkt Kaffee und Orangensaft ein. Ein Bett für die Nacht gibt es hier jedoch nicht.
„Die können nicht spontan bei uns bleiben und spontan ein Bett bekommen, zum einen, weil wir voll sind und zum anderen, weil wir nur Zuweisungen vom LaGeSo (Landesamt für Gesundheit und Soziales) direkt aufnehmen können.“
Für diese Nacht empfiehlt sie die Obdachlosenunterkunft in der Charlottenburger Franklinstraße, etwa einen Kilometer von hier. Vor der Obdachlosenunterkunft warten bereits fünf Männer aus Bosnien. Sie erzählen, dass sie ebenfalls im LaGeSo waren und weggeschickt wurden. „Wir haben nur unsere Papiere gezeigt und Bilder abgegeben. Wir sollten nach sieben Tagen wiederkommen, morgen ist es soweit. Wir haben zweimal beim Roten Kreuz geschlafen, die wollten uns nur noch loswerden. Jetzt sind wir zum zweiten Mal hier und auch in einem U-Bahnhof haben wir schon geschlafen.“
Obdachlosenunterkünfte für Kinder ungeeignet
In der Obdachlosenunterkunft ist die Erleichterung groß, alle bekommen ein Bett. Familie Ismailovic sogar ein eigenes Zimmer. Doch der Leiter der Unterkunft, Jürgen Mark ist sauer, „… weil das im Moment gerade Methode hat. Das LaGeSo scheint völlig überfordert zu sein. Ich habe auch mit mehreren Mitarbeitern telefoniert. Die haben mir bestätigt, dass sie im Moment nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht. Wir helfen, wo wir können, das haben wir in der Vergangenheit immer so gemacht. Bei diesen Menschen müssen wir aber grundsätzlich immer anmerken, dass wir Kinder hier nur sehr ungern aufnehmen und am liebsten gar nicht.“
Denn eigentlich sei die Unterkunft für Obdachlose gedacht. Viele von ihnen sind Alkoholiker oder drogenabhängig, sagt Jürgen Mark, manche haben ein langes Strafregister.

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