Erste Flüchtlinge in Köpenicker Containerdorf

28.12.2014 Berliner Zeitung
Erste Flüchtlinge in Köpenicker Containerdorf

Die ersten Flüchtlinge haben das neu errichtete Wohncontainerdorf in Berlin-Köpenick bezogen. Bis zum Samstagabend kamen 28 Flüchtlinge, sagte Heimleiter Peter Hermanns am Sonntag. Für diesen Montag werden noch einmal 20 Flüchtlinge erwartet, die nächsten erst im neuen Jahr.

Die ersten Bewohner in Köpenick kommen nach Angaben einer Sprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales aus verschiedenen Ländern, darunter Syrien, Vietnam und Bosnien. Bislang waren sie in der überlasteten Erstaufnahmestelle in Spandau untergebracht. Zu den ersten Bewohnern in Köpenick gehört auch eine Familie mit einem kleinen Kind.
Das Containerdorf in der Alfred-Randt-Straße ist das erste von sechs, die in Berlin errichtet werden sollen, um die steigende Zahl der Hilfesuchenden unterbringen zu können. Es hat Platz für 400 Flüchtlinge. Bis zur zweiten Januarhälfte soll es komplett bezogen sein, sagte Hermanns. Bislang sind noch nicht alle Räume fertig.
Helfer vom Internationalen Bund, darunter Dolmetscher, betreuten die ersten Flüchtlinge in Köpenick. Dort stehen in den farbig gestalteten Containern Räume mit zwei Betten und für Familien mit vier Betten zur Verfügung, sagte die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, Regina Kneiding.

Am Sonntag hieß es dann auch erst einmal ausschlafen. Für die Flüchtlinge sei es seit langem das erste Mal gewesen, dass sie in einer persönlicheren Umgebung übernachten konnten, sagte Hermanns.
Anwohner und Berliner aus anderen Stadtteilen haben unterdessen in den vergangenen Tagen zahlreiche Sachspenden und kleine Geschenke für die Flüchtlinge abgegeben. Darunter waren Lebensmittel, Kleidung, Spielsachen und Kinderbettchen. Die Spenden werden in einer benachbarten Schule sortiert. Auch Kinder aus der Nachbarschaft hätten schon nach den neuen Spielgefährten Ausschau gehalten, sagte Hermanns am Sonntag.
Nach Bekanntwerden der Pläne für das Flüchtlingsheim hatte es in Köpenick mehrfach Proteste gegeben. Am Samstag blieb es ruhig. Polizei war am Wochenende aber vor Ort, um eventuelle Störer fernzuhalten. Auch bei einer Kundgebung gegen angeblichen Asylmissbrauch in Marzahn und einer Gegendemo am Samstagabend blieb es ruhig.
Geplant sind fünf weitere Wohncontainer in den Stadtteilen Buch, Pankow, Lichtenberg, Marzahn und Lichterfelde. Mehr als 12 000 Flüchtlinge und Asylbewerber sind in diesem Jahr nach Berlin gekommen. In ganz Deutschland waren es rund 200 000. Für das nächste Jahr wird mit noch höheren Zahlen gerechnet.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hatte in seiner Weihnachtsbotschaft zu Solidarität mit den Flüchtlingen aufgerufen. Die Bewohner der Stadt hätten in der Geschichte immer wieder Hilfe von anderen erfahren. «Daraus erwächst für uns eine Verpflichtung: Wer in Not ist, bekommt in Berlin Hilfe», sagte Müller. Außerdem will Müller mit Brandenburg über die Unterbringung von zusätzlichen Flüchtlingen sprechen. (dpa/bb)

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