Kurier: Flüchtlinge und Obdachlose in einem Heim Ist das in Ordnung?

30.12.2014 Berliner Kurier
Pankow: Flüchtlinge und Obdachlose in einem Heim Ist das in Ordnung?

Ein Dach überm Kopf haben sie alle nicht. Nicht die Flüchtlinge, die ohne Habe in Berlin stranden und nicht die Obdachlosen. Warum sollen also Bedürftige nicht gemeinsam wohnen? Im April startet das erste gemeinsame Projekt der zuständigen Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales. Im Asylbewerberheim an der Storkower Straße haben die Bauarbeiten begonnen – eine halbe Etage ist für Obdachlose reserviert.

An der Storkower Straße kleckern und klotzen sich Baracken, Werkstätten, Ämter, Bürogebäude und Hallen zu einer wilden Mischung. Der Verein mob e.V. hat in Nummer 139 D seit einem Jahr seine Zentrale. Trödelhalle, Café Bankrott, Kleiderkammer und die Redaktion des „strassenfegers“ sind da. Was dringender benötigt wird, ist eine Notunterkunft für Obdachlose.#
„Seit Monaten bemühen wir uns, aber es fand sich niemand, der uns etwas vermieten wollte“, erklärt Andreas Düllick (55), Vorstand von mob e.V. Angesichts der Notlage vieler Obdachloser in der kalten Jahreszeit hat er für diesen Winter als Übergangslösung den Bau eines Containerdörfchens angeleiert.
Was für Flüchtlinge funktioniert, kann auch Obdachlose retten. Düllick hofft, dass Anfang nächsten Jahres vier Container für maximal 16 Männer und Frauen und zwei Sanitärcontainer stehen. Die Einrichtung ist spartanisch, die Diskussion darüber, ob diese Art von Unterkunft menschenwürdig sei, versteht Düllick nicht: „Menschenunwürdig ist es, wenn jemand auf der Straße sterben muss.“
Das gilt auch für Berlins wachsende Zahl an Flüchtlingen. 275 sollen ab April im Gebäude neben dem mob-Gelände wohnen. Bis dahin muss das Gebäude saniert werden. Der Betreiber, das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) und auch Andreas Düllick sehen der gemeinsamen Unterbringung gelassen entgegen. „Sicher, es gibt ein Konfliktpotenzial“, sagt Düllick. Wie das Zusammenleben in dem Heim, in dem besonders viele Flüchtlingsfamilien untergebracht werden, klappt, wird am Ende die Praxis zeigen.

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