Kurier entdeckt Flüchtlingshostel

10.1.2015 Berliner Kurier: Das Berliner Hotel des Grauens

Das „Aaphotel“ an der Allee der Kosmonauten. Bis vor wenigen Monaten lebten in dem heruntergekommenen Plattenbau Rucksack-Touristen und osteuropäische Wanderarbeiter – dabei gab es gar keine Betriebserlaubnis. Der Bezirk versiegelte das Hotel. Trotzdem leben heute dort fast 200 Flüchtlinge. Die Masern sind ausgebrochen. Und der Bezirk kann nichts gegen die menschenunwürdigen Zustände tun.

Der grau-braune Neungeschosser macht keinen guten Eindruck. Eingeschlagene Fenster, der letzte Anstrich locker 30 Jahre her. Leerstand. Tristesse. Lediglich der grüne Schriftzug Aaphotel.com prangt über dem Eingang. Aus diesem treten zwei Frauen, eine mit Rollkoffer, sie steigen die Eingangsstufen herunter, umgeben von fünf jungen Männern. Flüchtlinge. Sie stammen aus Bosnien, strandeten vor drei Wochen in Berlin. Im Aaphotel.
Zunächst wurde das Haus 2013 geschlossen. Es hatte keine Betriebserlaubnis. Den Betreiber Müslüm A. interessierte das offenbar nicht, er ließ fortan meist osteuropäische Wanderarbeiter hier schlafen. Für 200 Euro pro Monat, in einem Acht-Mann-Zimmer. Am Bauzustand und dem quasi nicht vorhandenen Brandschutz änderte sich nichts.
Im Juli 2014 hatte das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf die Faxen dicke. Es bat die Polizei um Amtshilfe und versiegelte das Gebäude – es half wenig. Die Siegel wurden aufgebrochen, eine Straftat. Seit einigen Wochen leben circa 200 Flüchtlinge in den Räumen des „Hotels“. Insassen schildern, dass bis zu zehn Menschen in den kleinen Räumen hausen, sich auf den Fluren Möbel und Müll stapelt, die sanitären Anlagen nur spärlich gereinigt werden. Um Lebensmittel zu kühlen, hängen die Flüchtlinge diese in Plastiktüten aus dem Fenster.
Und als wäre dies nicht schlimm genug, brachen vor kurzem auch noch die Masern aus. Das erfuhr das Gesundheitsamt des Bezirks vor wenigen Tagen. Wie viele Infizierte es gibt, ist unklar, ebenso, ob die von der Behörde auferlegte Quarantäne eingehalten wird. Eigentlich dürfte niemand mehr ein- oder ausziehen – Kontrolle unmöglich. Stadtentwicklungs-Bezirksstadtrat Christian Gräff (CDU) ist entsetzt: „Das Verhalten des Betreibers ist zu verurteilen. Der Zustand ist nicht zu dulden, wir hoffen auf baldige Räumung.“ Diese kann erst durchgeführt werden, wenn die Quarantäne aufgehoben wurde. Möglicherweise Mitte nächster Woche. Doch für die Gesunden gibt es keine anderen Unterbringungsmöglichkeiten.
Wie aber bezahlen die Flüchtlinge? Sie bekommen Gutscheine vom Landesamt für Gesundheit und Soziales, können sich eine Unterkunft in der Stadt aussuchen. Dass das „Aaphotel“ im Brandfall zur Todesfalle werden kann, wissen sie scheinbar nicht.
Der KURIER konfrontierte Müslüm A. mit den Vorwürfen. Er behauptet, er würde ein normales Hotel führen, es gäbe weder Flüchtlinge noch Masern. Auf die Frage der Reporter, ob sie sich ein Zimmer anschauen und das Hotel betreten könnten, antwortete er: „Nein. Ich will meine Gäste nicht stören.“

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