BgL-Beitrag zum Tod von Khalid Idris Bahray bei der Demo letzten Sonntag

Wir trauern um Khalid Idris Bahray. Er ist als Flüchtling aus Eritea nach Dresden gekommen und wurde dort ermordet. Er war erst 20 Jahre alt.

Wir wissen nicht, wie lange Khalid nach Deutschland unterwegs war. Wie ihr wisst, nehmen viele von uns große Risiken in Kauf, um die Reise nach Europa zu versuchen – viele sterben im Mitttelmeer.
Khalid dachte wahrscheinlich, jetzt ist er hier, er ist in Sicherheit, er hat es geschafft. Jetzt ist Khalid tot.
Viele von meinen Freunden sind hier gestorben, manche an der Lebensbedingungen in Lagern, die uns krank machen – andere haben sich selbst umgebracht, weil sie die Isolation, den Zwang zum Nichtstun und die Angst vor Abschiebung nicht ausgehalten haben.
Manche sterben unter – „ungeklärten Umständen“ wie es offiziell heißt. Wie Oury Jalloh, dessen Tod bis heute nicht aufgeklärt ist.
Oder wie Taoufic aus Togo, der mit mir zusammen in Tramm, einem Dschungelheim in Mecklenburg gewohnt hat. Es war im Sommer 2004. Ich hatte Taoufic morgens noch beim Kochen in der Gemeinschaftsküche gesehen. Später stand sein Essen fertig auf dem Herd. Wer etwas auf dem Herd in einer Gemeinschaftsküche stehen lässt, signalisiert damit den anderen, dass er gleich wieder kommen will. Nach zwei Stunden klopfte ein anderer Flüchtling an meine Tür und erzählte mir, dass Taoufic an einem Badesee in der Nähe gestorben ist. Er berichte mir, was er beobachtet hatte: Taoufic kam mit dem Fahrad am See an und wurde von Nazis, die dort waren beschimpft. „Neger, Ausländer raus!“ Taoufic lies sich das nicht gefallen und schimpfte zurück, dann ging er schwimmen. Kurz danach sind auch die Nazis schwimmen gegangen. Taoufic kam nicht mehr zurück ans Ufer und zwei Stunden später fand man seine Leiche. Ich habe mit der Polizei gesprochen, weil ich wissen wollte, ob sie eine Obduktion gemacht haben. Sie sagten Nein, es sei ein normaler Tod durch Ertrinken gewesen. Taoufic war ein sehr guter Schwimmer, der beste bei uns in Tramm.
Ich frage euch, was ist normal in Deutschland?
Ist es normal an einem heißen Sommertag vor dem Esssen kurz schwimmen zu gehen, so wie Taoufic und dabei zu sterben?
Ist es normal schnell noch etwas einkaufen zu wollen, so wie Khalid, und dabei ermordet zu werden?
Normal scheint mir zu sein wie die Polizei damit umgeht: Wenn ein Afrikaner stirbt, sagt die Polizei: „Das ist ein normaler Tod.“ Auch wenn es ganz offensichtlich ist, dass die Person ermordet wurde.
Normal scheint mir zu sein, dass die Polizei uns nicht schützen will – Und auch andere deutsche Behörden nicht.
Es soll normal sein, dass wir Angst haben müssen.
Gegen diese Normalität kämpfen wir.