B.Z. besucht Levetzowstraße

21.01.2015 B.Z. Warum die Flüchtlinge nicht in Turnhallen wollen
Die B.Z. zu Besuch im umstrittensten Flüchtlingsheim Berlins in Moabit. Offenbar fühlen sich viele durchaus wohl: „Ich lebe lieber hier als in einer Turnhalle!“
Sieben Turnhallen hat der Senat inzwischen als Flüchtlingsunterkunft beschlagnahmt.
Auch wenn dadurch nicht eine Schulsport-Stunde ausgefallen sein soll, mussten viele Vereine auf andere Sportstätten ausweichen. Nicht nur von ihnen kommt Kritik, sondern auch von Bezirken und der Opposition.

Doch auch die Flüchtlinge selbst leben offenbar lieber in den vorhanden Unterkünften als in Turnhallen – und das, obwohl manche Heime schlechter sind.
Die B.Z. zu Besuch in der Levetzowstraße in Moabit. Das Heim für 260 Menschen gilt wegen seines maroden Zustands, der mangelnden Hygiene und Sanitäranlagen als schlimmste Unterkunft Berlins. Betreiber: die umstrittene Firma Gierso (die B.Z. berichtete).
Beim B.Z.-Besuch machte das Heim jedoch einen guten Eindruck. Die meisten Mängel sind beseitigt, so ein Vermerk des Gesundheitsamts Mitte.
Einer der Bewohner: Hussein (26), gelernter IT-Fachmann, aus Syrien. Er lebt in einem Klassenraum mit vier Männern, dünne Holztrennwände suggerieren Privatsphäre. Er sagt: “Ich bleibe lieber hier als in einer Turnhalle. Hier habe ich Platz für mich.”
Merkwürdig: Husseins Asylantrag ist nach eigener Aussage längst genehmigt, trotzdem lebt er in der Notunterkunft.
Nach B.Z.-Informationen aber kein Einzelfall. Rund 1.800 Wohnungslose leben in Flüchtlingsheimen, weil die für sie zuständigen Bezirke nicht ausreichend Unterkünfte bereit stellen.

http://www.bz-berlin.de/berlin/mitte/warum-die-fluechtlinge-nicht-in-turnhallen-wollen