Lichtenberg atmet auf: Die Sportvereine sind versorgt

21.1.2015 Abendblatt
Flüchtlinge in der Turnhalle

Anfang Januar ging alles Schlag auf Schlag.An einem Dienstag kam der Anruf vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) und bereits am nächsten Tag musste das Lichtenberger Bezirksamt die Schlüsselübergabe an das Deutsche Rote Kreuz organisieren. Nach Turnhallen in Lichterfelde und in Dahlem war das für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständige Amt bei der Suche nach Kapazitäten auch in Hohenschönhausen fündig geworden. Zwei Sporthallen in der Klützer Straße, unweit des S-Bahnhofes Hohenschönhauen wurden mit sofortiger Wirkung kassiert. „Helfer des Deutschen Roten Kreuzes haben umgehend damit begonnen, Betten aufzubauen und Container mit Sanitäranlagen vor den Hallen abzusetzen und zu installieren“, erklärte Kai-Uwe Heymann, Referent der Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur, Soziales und Sport, im Stadtentwicklungsausschuss, der in der vergangenen Woche in Lichtenberger Rathaus tagte. Bis zum Freitag vergangener Woche hatten 70 Flüchtlinge die spärlichen Einrichtungen in der Halle bezogen. Insgesamt 14 Vereine trainieren normalerweise hier ihre Sportarten während der Hallenzeiten im Wechsel.

Grenzwertige Lösung
Da, wo Aikido-Gruppen, Judokämpfer und Juniorfussballer normalerweise üben, sollen die bis zu 150 Menschen bis zu den Osterferien unterkommen. „In der vergangenen Woche Freitag hat es eine Beratung mit den Trägern und den Vereinen gegeben, die von der Hallenübernahme betroffen sind. Es gab eine Menge Unterstützung von Initiativen in der Umgebung und für fast alle Nutzer konnten Übergangslösungen gefunden werden“, so Dr. Andreas Prüfer, der derzeit amtierende stellvertretende Lichtenberger Bürgermeister und ergänzt, „wir sind natürlich daran interessiert, dass das kein Dauerzustand wird. Zum einen brauchen wir die Turnhalle – aber noch viel wichtiger ist die Tatsache, dass diese Unterbringung der Flüchtlinge dort eine eher grenzwertige Angelegenheit für die betroffenen Menschen ist – die Grenze der Zumutbarkeit zur Unterbringung von Menschen ist erreicht. Turnhallen wie diese, sind – wenn überhaupt – für solche Zwecke nur zeitlich bedingt zu gebrauchen.“ Der Bezirk dränge vor allem aus diesem Grund auf eine zeitnahe Lösung. „Für fast alle Sportvereine sind genügend Alternativen gefunden worden. Dafür gab es Hilfe von allen Seiten. Der Verein für ambulante Versorgung, der Wartenberger Hof und zahlreiche andere Initiativen konnten mit Räumen aushelfen“, so Prüfer. Hintergrund für die plötzliche Übernahme der Sporthallen ist der außergewöhnlich hohe Zugang von Asylsuchenden.

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