Angermünde zeigt sich solidarisch

22.1.15 RBB „Damit löst sich ja das NPD-Problem vielleicht“

In Angermünde gibt es seit diesem Januar eine Notunterkunft für 50 Asylbewerber. Deswegen hat die uckermärkische NPD für diesen Samstag eine Mahnwache gegen „Überfremdung und Asylmissbrauch“ angekündigt. Doch dagegen macht das Angermünder Bürgerbündnis für eine weltoffene und tolerante Stadt mobil.

Beim Info-Treff des Angermünder Bürgerbündnisses am Dienstagabend war die Marienkirche ganz schön voll. Denn in Angermünde gibt es seit Anfang Januar eine Notunterkunft für 50 Asylbewerber. Über 150 Menschen, vom Schüler bis zur Rentnerin, wollten sich informieren – über die angekündigte Demonstration der NPD am Samstag, vor allem jedoch auch über die Situation der Flüchtlinge selbst, die in Angermünde leben.

„Es wäre wichtig, dass sich viele mal hierher setzen und hören, wie es Leuten geht, die aus ihren Ländern rausgeschmissen werden oder flüchten müssen. Ich habe das selbst erlebt, als kleines Kind in Dresden, und ich wünsche das niemandem“, sagt eine ältere Frau. „Wenn wir hier wohnen, möchten wir auch wissen, was mit den Leuten ist. Wir stehen der Sache positiv gegenüber“, ergänzt eine andere. Und ein 30-jähriger Mann sagt: „Das ist ja die Mehrheit die so denkt. Es ist nur eine kleine Minderheit, die jetzt gegen die Flüchtlinge hetzen will oder Angst schürt.“

Für ein tolerantes Angermünde
Das war das zweite große Thema: Denn am Samstag will die NPD in Uckermark direkt neben der Notunterkunft für Asylbewerber gegen eine angebliche Überfremdung und Asylmissbrauch demonstrieren. Das werden die Angermünder nicht unkommentiert lassen, sagt der Stadtverordnete Robert Schindler: „Das Bündnis für ein tolerantes, weltoffenes Angermünde hat entsprechende Gegendemo angemeldet: Um 14 Uhr werden wir durch die Stadt marschieren und dann an der Unterkunft singen und musizieren, und die Flüchtlinge willkommen heißen in unserer Stadt.“

Was tun!
Genau genommen, ist das sogar schon passiert. Denn Angermünder haben bereits Spielzeug für die 14 Kinder vorbeigebracht, sie fragen nach, was gebraucht wird, wollen sich als Deutschlehrer anbieten. Aber nun geht es eben auch darum, diese Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft nach außen hin zu zeigen – und damit ein Statement zu setzen: „Damit die Fremden keine Fremden bleiben, dass sie zu uns gehören. Und damit löst sich ja das NPD-Problem vielleicht“, erklärt ein Teilnehmer. „Es treibt uns um, dass es eben Menschen gibt, die nicht gastfreundlich sind. Und ich finde es einfach wichtig, und das war heute ganz toll, das es eben viele Menschen gibt, die was tun wollen“, fügt eine Frau hinzu.
Was tun! – das heißt am Samstag erstmal Thermoskannen, Kuchen und Musikinstrumente einpacken und einfach ein lautes Willkommensfest feiern.

http://www.rbb-online.de/politik/thema/fluechtlinge/brandenburg/angermuender-buendnis-macht-sich-fuer-fluechtlinge-stark.html