Kurier entdeckt großen Leerstand

23.1.2015 Kurier
Grüne: Bund soll Bürogebäude für Flüchtlinge freigeben

Ein riesiges Bürogebäude in Alex-Nähe. Seit Jahren leerstehend, aber bis 2014 in Schuss gehalten. Jedoch: Niemand will es. Jetzt fordern die Bundes-Grünen: Nutzt das Gebäude doch als Flüchtlings-Unterkunft. Statt Turnhallen.

Rund 4600 Wohnungen besitzt der Bund in Berlin. Hinzu kommen 183 Gewerbegrundstücke mit satten 6,2 Millionen Quadratmetern Fläche. Verwaltet wird all das durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).
Immobilien en masse, Platz ohne Ende. Den Flüchtlinge nutzen könnten– statt Sporthallen oder Containerdörfer. Lisa Paus, Bundestagsabgeordnete der Grünen: „Jede öffentliche Immobilie, die besser zu Unterbringung von Flüchtlingen geeignet ist als eine Turnhalle, muss auch genutzt werden. Ich bin sicher, dass sich ein Teil davon auch als Flüchtlingsunterkunft herrichten lässt.“
Unter anderem eben das Haus der Statistik mit mehr als 4729 Quadratmetern Nutzfläche. Ebenfalls denkbar wären laut Paus die freistehenden Gewerbeimmobilien am Platz der Luftbrücke 1 (Tempelhof) oder im Bohnsdorfer Weg 99 in Altglienicke. Auch das Baracken-Areal in der Landsberger Allee 378 kurz hinter IKEA wäre überlegenswert.
Zuständig für die Verteilung ist die sogenannte „Taskforce 2“ des Landesamtes für Gesundheit und Soziales Berlin (LaGeSo). Hier wird systematisch eine von der BImA vorgeschlagene Liste an Gebäuden abgearbeitet. Vier Bundesimmobilien in der Stadt werden bereits von Flüchtlingen genutzt, 2014 kam allerdings nur eine dazu. Meist hapert es an Brandschutzverordnungen. Laut LaGeSo rechnen sich vor allem Containerdörfer besser als Gebäudesanierungen oder gar Neubauten. MBÖ

27,18 Euro pro Tag pro Flüchtling
Bis drei Quadratmeter Platz stehen jedem Flüchtling in den zwei Traglufthallen zur Verfügung, die der Senat im Poststadion errichtet hat. Vier bis sechs Menschen müssen sich eine Schlafkabine teilen, maximal können 294 übernachten. Die Menschen sollen hier nicht länger als drei bis vier Tage wohnen. Die Errichtung kostete 800 000 Euro. Jeder Flüchtling kostet Berlin 27,18 Euro am Tag.

http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/-haus-der-statistik--gruene--bund-soll-buerogebaeude-fuer-fluechtlinge-freigeben,7169128,29648202.html