Potsdam: Koordinierungsstelle „Neue Nachbarschaften“

2.2.2015 RBB
Mehr als nur einen Stadtplan in die Hand drücken

Die Potsdamer kümmern sich. Viele ehrenamtliche Helfer haben sich zusammengetan, um Flüchtlingen ihren Neuanfang in der brandenburgischen Landeshauptstadt zu erleichtern. Ab sofort gibt es eine Koordinierungsstelle, die sich explizit an „neue Nachbarschaften“ richtet. Mehr als 100 Angebote von Behördengängen bis zum Deutschunterricht werden gebündelt.

Wo finde ich einen Arzt? Wer kann mir bei der Übersetzung helfen? Wo können meine Kinder zur Schule gehen? Wenn man neu in eine Stadt kommt, ist man erstmal orientierungslos. Vor allen Dingen für Flüchtlinge ist die Ankunft eine Herausforderung. Sie haben eine lange Reise hinter sich. Sie kommen aus Syrien, aus Afghanistan oder aus Tschetschenien. Sie sind müde von der Reise, traumatisiert und sprechen kein Deutsch, fühlen sich isoliert. Um den Neuankömmlingen das Leben zu erleichtern, ist in Potsdam nun eine „Koordinierungsstelle Neue Nachbarschaften “ eingerichtet worden.

Begegnungscafé oder Behördengänge
Sie hätte der 25-jähirgen Jurastudentin Elisabeth aus Kamerun sehr geholfen als sie vor einem Jahr nach Teltow gekommen ist. An den Tag ihrer Ankunft erinnert sie sich noch. Sie war allein, kannte niemanden. Zur Begrüßung wurde ihr ein Stadtplan in die Hand gedrückt. Es hat gedauert, bis sie sich zurecht gefunden hat. Mittlerweile belegt sie einen Deutschkurs, doch der ist bald zu Ende. Jetzt muss sie selbst zurecht kommen.
Allerdings kann ihr die Koordinierungsstelle auch nach einem Jahr Aufenthalt in Brandenburg helfen. In den letzten Monaten sind mehr als 100 ehrenamtliche Angebote von Potsdamern zusammentragen worden, die den Flüchtlingen helfen sollen. Wie die Leiterin der Koordinierungsstelle, Kristina Tschesch, sagt, werden unter anderem Familienbegleitung und Unterstützung für Behördengänge angeboten; andere wollen ein mobiles Begegnungscafé einrichten oder Deutschunterricht für Leute wie Elisabeth geben.

Was können die Neuankömmlinge für ihre Stadt tun?
Wichtig ist der Leiterin vor allen Dingen der wechselseitige Austausch. Dabei sollten sich die Potsdamer die Frage stellen, was sie selbst von den Neuankömmlingen in der Stadt alles lernen können. „Das sind unendliche Ressourcen und Fähigkeiten, die in unsere Stadt kommen“, so Tschesch. Die müsse man einfach nur erkennen. Aber umgekehrt sei es genauso. Man müsse fragen, was sich die Flüchtlinge von der Stadt wünschen und was sie selbst der Gemeinschaft bieten könnten, auch wenn sie womöglich noch nicht auf den Arbeitsmarkt dürfen, sagte sie weiter.

Halbe Stelle für drei Monate
Eine Fahrradwerkstatt ist bereits entstanden. Hier können Potsdamer ihre alten Fahrräder abgeben, Ehrenamtler reparieren sie für die Flüchtlinge.
Wer ein Angebot hat, kann es per Email an info@nn-potsdam.de schicken. Finanziert wird das Projekt von der Stadt. Das Projekt ist zunächst nur von kurzer Dauer. Drei Monate lang wird die Koordinierungsstelle mit einer halben Stelle gefördert.

http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/02/neue-nachbarschaften-koordinierung-in-potsdam-.html