Bericht aus Fürstenwalde: Von der Gabel zum Behördenformular

6.2.2015 RBB: Von der Gabel zum Behördenformular

Lange haben die Betreiber der neuen Flüchtlingsunterkunft „Haus Hoffnung 2″ in Fürstenwalde ehrenamtliche Deutschlehrer gesucht. Jetzt haben sie sie endlich gefunden – drei mal pro Woche geben nun eine Studentin und eine Seniorin Deutschunterricht.

Für die vielen Flüchtlinge, die Tag für Tag Brandenburg erreichen, ist die deutsche Sprache absolutes Neuland und gleichzeitig eine Grundvoraussetzung für ein Leben in Deutschland. Weil es so wichtig ist, gibt es spezielle Deutschkurse für Flüchtlinge. Der Bedarf ist groß und kann nur dank des Engagements vieler Ehrenamtlicher gedeckt werden, so auch in Fürstenwalde.
Im neuen Flüchtlingswohnheim „Haus Hoffnung 2″ haben sich nach drei Monaten Suche endlich ehrenamtliche Deutschlehrerinnen gefunden. Ab sofort wird hier nun für die rund 180 Bewohner dreimal pro Woche Deutschunterricht angeboten.

Flüchtlinge wissen um die Wichtigkeit der Landessprache
Eine von ihnen ist die 26-jährige Studentin Alexandra Fox, die zunächst Begriffe wie Löffel, Gabel oder auch Schüssel lehrt. Sie schreibt die Worte an die Tafel und spricht sie immer wieder. Ihre rund zehn russischen, irakischen oder auch syrischen Schüler folgen ihr aufmerksam. So wie die 60-jährige Nathalia, die seit drei Monaten in Fürstenwalde lebt. Die Flüchtlinge lernen Stück für Stück, welche Gegenstände sich im Haushalt befinden.
Diesen Themenkomplex hat sich die Lehrerin als erstes vorgenommen, doch weitere sollen folgen, um Formulare auszufüllen oder Verkehrspläne von öffentlichem Nahverkehr zu lesen zu können. Fox studiert an der Viadrina-Universität in Frankfurt (Oder). Der Deutschkurs in Fürstenwalde ist für sie zum einen eine Herzenangelegenheit, zum anderen eine gute Ergänzung zum Studium, weil sie soziokulturelle Studien mit Schwerpunkt Migration studiert.
Die Flüchtlinge nehmen den Unterricht dankbar an und auch die Leiterin des Wohnheims, Doreen Mernitz, ist froh endlich, Deutschunterricht anbieten zu können. Die meisten der Flüchtlinge seien sich dessen sehr bewusst, dass sie nur mit Deutsch weiterkommen, sagt die Leiterin. Deshalb möchten sie es auch sehr gern lernen, fügt sie hinzu.

http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/02/deutschunterricht-im-fluechtlingswohnheim-fuerstenwalde.html