Kurier: Profit mit Flüchtlingen machen und dann auch noch stänkern

11.2.2015 Kurier
Profit mit Flüchtlingen machen und dann auch noch stänkern

Wolfgang S. aus Berlin war jahrelang eine tragende Stütze der rechten Szene in Berlin, kandidierte für die „Republikaner“ für den Bundestag. Jetzt verdient er sein Geld mit Flüchtlingen. Eine Nacht musste S. über die Anfrage des sächsischen Innenministeriums nachdenken. Dann sagte er Mitte Januar zu – und quartierte in seinem Apart-Hotel in Böhlen bei Leipzig Asylbewerber ein.
Es klingt wie Hohn. 2002 war der Berliner Unternehmer noch gemeinsam mit seiner Frau Ingeborg im Bundesvorstand der „Republikaner“, in den 90ern vermietete er die Pankower Villa Garbáty an seine Partei, unterstützte auch die NPD. Bis mindestens 2010 war er außerdem Mitorganisator von Gesprächskreisen verschiedener rechter Berliner Gruppen. Ein Strippenzieher im Hintergrund, angeblich bis heute in stramm nationalen Kreisen aktiv und etabliert.
Abgelegt hat der 74-Jährige seine Gesinnung offenbar nicht. Über die neuen Hotel-Bewohner, wie viele es genau sind, verrät er nicht, lästerte er gegenüber sueddeutsche.de: „Die haben alle Handys und telefonieren ständig mit der Heimat. Die berichten bestimmt, dass sie in einem Hotel wohnen, volle Verpflegung, Catering jeden Tag.
Sogar Ansprechpartner rund um die Uhr im Hotel.“ Aller Ablehnung zum Trotz: Den Tagessatz für jeden der mutmaßlich mehr als 100 Flüchtlinge nimmt S. vom Innenministerium gern mit. Auch hier hüllt er sich über die Höhe in Schweigen. Laut sächsischem Innenministerium ist der Betrag Verhandlungssache und wird vertraulich behandelt. In Berlin können bis zu 50 Euro pro Tag und Flüchtling auf das Hotelbesitzerkonto fließen.
In Böhlen selbst sorgt nicht nur die politische Orientierung des Hotelbesitzers für Unmut. Der sächsische Städte- und Gemeinderat hat sich beschwert – weil weder das Einverständnis von Bürgermeisterin noch Landrat eingeholt worden sei. Und S.? Der hat „Sorgen“. Das Geschäft mit den Flüchtlingen laufe so gut, dass er weitere Zimmermädchen einstellen musste.