Wannsee-Klinik wird Flüchtlingsunterkunft

18.02.2015 Berliner Abendblatt

Zurzeit steht die einstige Lungenklinik Heckeshorn etwas verlassen in der Nähe des Wannsees. Doch in Zukunft soll der Komplex als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden. „Die ehemalige Lungenklinik Heckeshorn ist eine landeseigene Immobilie, die für die Nutzung als Flüchtlingsunterkunft nach umfangreichen Umbaumaßnahmen geeignet ist und daher vom Landesamt für Gesundheit und Soziales dafür auch ausgewählt wurde“, sagt Constance Frey, Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales.

Besser als Container
Angeregt hatte die Nutzung auch der Beirat für Integration und Migration im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Mit der Bitte, „die kranken und traumatisierten Flüchtlinge eher in diesem für solche Fälle gebauten Krankenhaus zu versorgen, als in einem Containerdorf“, wandte sich der Beirats-Vorsitzende Günther Schulze jüngst an Sozialsenator Mario Czaja (CDU).
Zwar sieht Schulze insbesondere die abgeschiedene Lage des Standortes kritisch: „Für physisch kranke und traumatisierte Flüchtlinge ist ein ehemaliges Krankenhaus aber natürlich besser geeignet.“ Es biete – im Gegensatz zur Unterbringung in einem Containerdorf – die Möglichkeit für Einzelzimmer oder den Transport in Aufzügen. Schulze, der neben seiner Funktion im Integrations-Beirat auch im Willkommensbündnis Steglitz-Zehlendorf mitwirkt, sieht auch bei einer Unterbringung von Flüchtlingen im Krankenhaus eine große Hilfsbereitschaft gewährleistet. 700 Unterstützer habe man im Bezirk mobilisiert – viele Menschen, die am Wannsee leben, hätten bereits ihre Hilfe angekündigt. Bis tatsächlich Flüchtlinge Räume in der ehemaligen Klinik beziehen, wird es aber wohl noch etwas dauern. „Es kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gesagt werden, wann die Baumaßnahmen dort beginnen werden. Derzeit laufen zwischen dem Landesamt und mehreren Behörden Abstimmungen zu den notwendigen Ertüchtigungs- und Umbaumaßnahmen“, erklärt Senatssprecherin Frey.

Bewegte Geschichte
Mit der Nutzung zur Flüchtlingsunterbringung wird ein weiteres Kapitel in der bewegten Geschichte des Geländes aufgeschlagen. Nach dem Umzug der 1947 gegründeten Lungenklinik auf das Gelände des Behring-Krankenhauses im Jahr 2007 waren verschiedene Ideen diskutiert worden. Aus Plänen, dort eine Klinik für besonders wohlhabende Patienten aus dem Ausland zu eröffnen, wurde aber ebenso wenig etwas wie aus den Verkaufs-Ambitionen des Liegenschaftsfonds. Der hatte das Grundstück nur als Gesamtpaket angeboten, um eine „Rosinenpickerei“ von Investoren zu verhindern.
Momentan dienen die alten Gebäude der auf Medizin im Film spezialisierten Firma „Flatliners“ als Kulisse etwa für Arzt-Serien. Derzeit finden Dreharbeiten zur Buchverfilmung „Brief an mein Leben“ statt. Der Geschäftsführer der Firma, Jörg Meier, gibt es sich hinsichtlich der neuen Pläne für die ehemalige Klinik gelassen: „Der mögliche Umbau wird in einem Gebäudeteil gemacht werden, das wir aktuell nicht nutzen. Unsere Arbeit wird also nicht betroffen sein. Wenn für Heckeshorn eine neue Nutzung beschlossen wird, ziehen wir um.“

http://www.abendblatt-berlin.de/2015/02/18/drehort-wird-umgebaut/