Anwohner gegen Asylbewerberheim am Stasi-Knast

19.02.2015 BZ
„Wer die Geschichte kennt, kann dort niemanden leben lassen“: Die Anwohner des geplanten Asylbewerberheimes protestieren gegen die Nutzung des Hauses der Stasi-Vernehmer.

Seit 37 Jahren blickt Rentner Willi Wagner (60) von seinem Einfamilienhäuschen auf die Vernehmerbüros des ehemaligen Stasi-Knasts Hohenschönhausen. Hier sollen bald Flüchtlinge wohnen: “Wer die Geschichte kennt, kann dort keine Asylbewerber leben lassen.”

Hier ist die Zeit stehen geblieben: Seit über 20 Jahren steht das Büro-Gebäude in der Lichtenauer Straße 29 leer, wird langsam zur Ruine. Fliesen und Putz bröckeln von den Wänden, Kabel hängen aus der Decke und überall sind riesige Wasserpfützen.

Wie die B.Z. berichtete, will der private Eigentümer die Immobilie zu einer Asylbewerberunterkunft umbauen lassen. Viele Anwohner sind dagegen. Rund 30 Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften sind nur durch eine Straße von der Gedenkstätte getrennt.

“Es gibt in Berlin viele leerstehende Gebäude, warum soll gerade hier ein Flüchtlingsheim entstehen”, fragt Wagner. “Diese Pläne an dieser Stelle sind Geldmacherei, haben nichts mit Nächstenliebe zu tun.” Jeder hier wisse, dass in dem Gebäude die Inhaftierten verhört worden seien.

Anwohner Michael Langhans (56) hat sich in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung den Bauplan angesehen: “Der Bauherr plant hier 486 Flüchtlinge unterzubringen.” Im Umkreis von fünf Kilometern gebe es aber schon vier Asylbewerberheime. “Unsere Kitas und Schulen sind voll. Beim Arzt bekommt man kaum noch einen Termin. Wo sollen die Neuen denn noch hin?”, so Langhans.

http://www.bz-berlin.de/berlin/anwohner-gegen-asylbewerberheim-am-stasi-knast

Der Besitzer der Immobilie bestritt gegenüber der B.Z. nicht seine Pläne, will sich aber gegenwärtig nicht dazu äußern, um das Projekt nicht zu gefährden.

In einem Schreiben der Senatsverwaltung wurden aber bereits die Anwohner über das Bauvorhaben informiert. Sie wollen gemeinsam einen Brief verfassen, in dem sie ihre Bedenken ausdrücken. Am Wochenende soll eine Unterschriftenaktion gegen das Heim starten.