WG-Zimmer statt Container

Siegessäule: WG-Zimmer statt Container
Online-Plattformen wie „Flüchtlinge willkommen“ unterstützen Refugees bei der Wohnungssuche. Statt in Massenunterkünften sollen sie in WGs unterkommen

Die MacherInnen der Webseite sind überwältigt von der Hilfsbereitschaft der UserInnen. SIEGESSÄULE hat mit dem Orga-Team gesprochen, um euch zu erklären, wie die Wohnungsvermittlung abläuft.
Das Thema ist ernst, die Webseite wirkt dagegen fröhlich: „Wir heißen Flüchtlinge willkommen“ steht in weißer Schnörkelschrift vor himmelblauem Hintergrund. Auf fluechtlinge-willkommen.de können WGs ihr freies Zimmer einem Flüchtling anbieten. Das wirkt ein bisschen wie Online-Zimmervermittlungen à la Airbnb für Asylsuchende. „Es soll möglichst einfach aussehen, um auch Normalbürger anzusprechen“, bestätigt Mareike Geiling das Konzept von „Flüchtlinge willkommen“. Gemeinsam mit zwei Freunden organisiert sie das Projekt ehrenamtlich. „Wir wollen die Menschen, die bisher in Sammelunterkünften leben, in eine WG bringen“, erklärt die 27-jährige Berlinerin, die gerade in Kairo als Deutschlehrerin arbeitet.
„Das Engagement von Privatinitiativen wie ,Flüchtlinge willkommen‘ hilft uns sehr“, lobt Marion Lüke. Die Berliner Integrationsbeauftragte hatte im November eine Werbekampagne gestartet. Sie soll Eigentümer und Hausverwaltungen ermuntern, an Asylsuchende zu vermieten. „Für Flüchtlinge ist es erstrebenswert, möglichst frühzeitig in einer eigenen Wohnung zu leben“, betont Lüke. „Sie ermöglicht Privatsphäre und Rückzug. Gerade für Menschen, die eine schreckliche Flucht hinter sich haben, ist das sehr wichtig.“

Viele Interessenten bieten ihr Zimmer sogar kostenlos an
Beim Landesamt für Gesundheit und Soziales gibt es eine Beratungsstelle „Wohnungen für Flüchtlinge“. 2014 seien über 400 Wohnungen vermittelt worden, so Lüke. Ein Tropfen auf dem heißen Stein: Rund 14.000 Menschen lebten im Januar in Sammelunterkünften. Die sind eigentlich nur als Anlaufstellen gedacht, nach spätestens drei Monaten sollen sich die Bewohner eine Privatunterkunft suchen – so weit die Theorie. Auf dem Mietmarkt aber haben Flüchtlinge schlechte Karten. „Es gibt in Berlin derzeit einfach viel zu wenige Wohnungen im preiswerten Segment“, sagt Monika Lüke. „Das betrifft Flüchtlinge genauso wie biodeutsche Hartz-IV-Empfänger.“
Umso wichtiger sind Initiativen wie „Flüchtlinge willkommen“. Seit November hat das Projekt über 415 Wohnungsangebote aus ganz Deutschland bekommen. Die werden weitergeleitet an Hilfsorganisationen wie Diakonie und Caritas, aber auch an kleinere Initiativen wie den Flüchtlingsrat Berlin. Acht Personen haben so eine Wohngelegenheit gefunden. Bei 20 weiteren soll es bald so weit sein. Dass erst acht Menschen tatsächlich eingezogen sind, liegt auch am aufwendigen Auswahlprozess. „Wir schauen schon, ob die Leute zusammenpassen“, betont Mareike. Die Anbieter sollen Angaben zu Alter, WG-Größe, Sprachkenntnissen und beruflichem Hintergrund machen. „In einem Kommentarfeld kann man seine Wünsche äußern“, erklärt Mareike, „aber letztendlich ist es eine Sympathiefrage.“ Manchmal müssen die Hilfsbereiten auch Rückschläge hinnehmen. In einem Fall wurde das Wohnungsangebot eines offen schwulen Berliners ausgeschlagen. „Da hat der Refugee gesagt: Nein, das möchte ich nicht“, berichtet Mareike. „Aber für diese WG sind wir schon an einer weiteren Vermittlung dran – und der jetzt kontaktierte Refugee stört sich überhaupt nicht daran.“
Es kann also durchaus sinnvoll sein, bei der Anmeldung im Feld „Fragen oder Anmerkungen“ die sexuelle Orientierung zu erwähnen – oder andere Dinge, die einem wichtig sind. „Wenn zum Beispiel eine Frau nur eine andere Frau aufnehmen will, dann machen wir nur entsprechende Vorschläge“, versichert Mareike. Sie ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft. Viele Interessenten bieten ihr Zimmer sogar kostenlos an. In anderen Fällen finanzieren Freunde oder Familienmitglieder die Miete mit Mikrospenden. Für Mareike ist das auch ein starkes Zeichen gegen die Reste von Pegida: „Sachsen ist unter den Top Drei der Bundesländer mit den meisten Anmeldungen.“

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