Winter-Bilanz der Kältehilfe

30.03.2015 RBB: Nachfrage nach Notschlafplätzen war noch nie so groß

Der Winter war mild, doch die Not trotzdem groß: Zwischen November und März haben so viele Menschen Unterschlupf bei der Berliner Kältehilfe gesucht wie noch nie. Die verfügbaren Schlafplätze reichten laut Bilanz aber oft nicht aus. Bis zum kommenden November bleiben die Einrichtungen der Kältehilfe nun geschlossen.

Rund 8.900 Menschen mehr als im vergangenen Jahr haben in diesem Winter die Angebote der Berliner Kältehilfe genutzt. Das sind so viele wie noch nie. Die Initiative registrierte von Anfang November bis Ende März mehr als 81.800 Übernachtungen. Damit lag die Auslastung über dem Angebot von rund 530 Plätzen pro Nacht. Das geht aus der Kältehilfe-Bilanz hervor, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. „Das ist ein besorgniserregender Trend“, sagte die Berliner Diakonie-Direktorin Barbara Eschen.

Mehr Kranke, mehr Flüchtlinge
Dass im vergangenen Winter so viel mehr Menschen bei der Kältehilfe angeklopft haben, hat laut den Vertretern vor allem zwei Ursachen. Zum einen bringen Krankentransporte häufig Menschen vorbei, für die in anderen Einrichtungen kein Platz mehr ist. Vertreter der Organisationen geben zu bedenken, dass sie für den wachsenden Bedarf von Pflegebedürftigen oder Rollstuhlfahrern nicht ausreichend gerüstet seien. Entsprechende zusätzliche Schlafplätze müssten der Senat und die Bezirke schaffen.
Zudem zählten im vergangenen Winter auch Flüchtlinge häufiger zu den Hilfesuchenden. Sie kommen zur Kältehilfe, wenn die Behörden beispielsweise am Wochenende geschlossen hätten, hieß es. Abhilfe könnten Wochenendbereitschaften der Behörden schaffen, schlug die Berliner Caritas-Direktorin Ulrike Kostka vor. Der Empfang in Berliner Notschlafeinrichtungen sei für die Flüchtlinge entwürdigend. „Die Kältehilfe darf nicht zum Ausfallbürgen für andere Einrichtungen werden“, sagte Kostka am Montag. Die Flüchtlinge machen allerdings nur einen kleinen Teil der nichtdeutschen Hilfesuchenden aus. Laut interner Statistik der Stadtmission hatten 69 Prozent der Übernachtungsgäste keinen deutschen Pass, darunter 13 Prozent Nicht-EU-Bürger.

Hilfe für Obdachlose seit 1989
Die Kältehilfe ist eine Initiative von Wohlfahrtsverbänden und Kirchen und versorgt seit 1989 Obdachlose in Berlin während der kalten Monate. Männer und Frauen finden Unterschlupf in Nachtcafes und Notunterkünften, die Kosten trägt zum Teil der Senat. Aktuell gibt es rund 530 Übernachtungsplätze pro Nacht in 15 Notübernachtungen und 14 Nachtcafes. Zusätzlich stellt die Kältehilfe Beratungsstellen, Suppenküchen und Arztpraxen zur Verfügung. Schätzungen zufolge gibt es in der Hauptstadt bis zu 13.000 Wohnungslose. Davon leben vermutlich zwischen 600 und 1.000 Menschen auf der Straße.

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