Berlins zweites Containerdorf öffnet im April

02.04.2015 Morgenpost:
5000 Flüchtlinge kamen im ersten Quartal nach Berlin – drei mal so viele wie im Jahr zuvor. Insgesamt sechs Containerdörfer sollen Platz bieten. Nach Köpenick wird das nächste in Berlin-Buch eröffnet.

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) löst die erste in einer Sporthalle untergebrachte Notunterkunft für Flüchtlinge auf. An diesem Mittwoch werde die Sporthalle der Technischen Universität (TU) an der Waldschulallee in Westend wieder freigegeben, sagte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) der Berliner Morgenpost. In der Woche nach Ostern folge die Halle an der Lippstädter Straße in Lichterfelde. Die übrigen vier Notunterkünfte in Sporthallen sollen schrittweise folgen, auf einen Termin wollte Czaja sich allerdings nicht festlegen. Bereits jetzt würden sie aber weitestgehend nicht mehr belegt.

Im ersten Quartal 2015 kamen etwas mehr als 5000 Flüchtlinge nach Berlin, im Vergleichsquartal des Vorjahres waren es nur 1680. Im Januar und März wurden jeweils etwa 1500 Asylsuchende registriert, im Februar knapp 2000. Im vierten Quartal 2014 kamen mehr als 4500 Flüchtlinge nach Berlin – innerhalb eines halben Jahres also knapp 10.000 Asylsuchende. Rund 1150 von ihnen wurden vorübergehend in Sporthallen untergebracht.
Der Senat errichtet sechs Containerdörfer, um dort insgesamt mehr als 2000 Flüchtlinge unterzubringen. Bislang wurde erst eines der Dörfer eröffnet, an der Alfred-Randt-Straße in Köpenick. Dort fanden 400 Menschen Aufnahme. Doch auch bei den anderen Containerdörfern tut sich etwas:
Karower Chaussee, Buch (Pankow) Das Dorf mit insgesamt 480 Plätzen soll im April eröffnet werden, der genaue Tag steht noch nicht fest. Haus eins und zwei sind bereits fertig, Haus drei ist noch im Bau.
Blumberger Damm/Landsberger Allee (Marzahn) Dort begannen dieser Tage die Bauarbeiten. Zunächst mussten Probleme mit dem Lärmschutz beseitigt werden, der Standort für den Bau mit 400 Plätzen wurde leicht verschoben. Die Container sollen ab Mitte Mai angeliefert und in der letzten Maiwoche montiert werden. Die Eröffnung ist für die erste Julihälfte vorgesehen.
Potsdamer Chaussee (Zehlendorf) Zunächst war für dieses Containerdorf mit 340 Plätzen der Standort Osteweg in Lichterfelde geplant. Der stieß bei Anwohnern auf Kritik, weil in der Nähe weitere Flüchtlingsunterkünfte betrieben werden oder geplant sind. Der Bezirk bot das Alternativgrundstück an, die Verhandlungen darüber mit der Senatssozialverwaltung wurden Anfang dieser Woche abgeschlossen. Das brachte allerdings eine Verzögerung um zwei Monate. Nun soll die Montage der Container im Mai beginnen, die Fertigstellung im Sommer erfolgen.
Hausvaterweg, Falkenberg (Lichtenberg) Das Containerdorf fällt erheblich kleiner aus als geplant. Ursprünglich waren 480 Plätze vorgesehen, nun werden es in Absprache mit dem Bezirk 280. Dafür stellte der Bezirk dem Lageso ein ehemaliges Verwaltungsgebäude an der Bornitzstraße zur Verfügung. Dort können 200 Flüchtlinge einziehen. Die Container am Hausvaterweg sollen von Anfang Juni an montiert werden, in der zweiten Julihälfte sollen die Flüchtlinge einziehen.
Ostpreußendamm, Lichterfelde (Steglitz-Zehlendorf) Für die Unterkunft mit 300 Plätzen haben Anfang dieser Woche erste Arbeiten begonnen: Wildwuchs auf dem Gelände wurde gerodet. In dem Heim sollen auch kranke und verletzte Flüchtlinge untergebracht werden. Dafür gebe es jetzt ein Konzept, so das Lageso. Auch dort soll die Montage der Container im Mai beginnen, die Eröffnung ist für den Sommer vorgesehen.
Bei der Suche nach geeigneten Unterkünften für Asylbewerber geht das Land auch ungewöhnliche Wege. Der mittlerweile aus dem Amt geschiedene Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) ließ den ehemaligen Landsitz des Nazi-Demagogen und Reichsministers Joseph Goebbels am Bogensee nördlich Berlins prüfen. Der Liegenschaftsfonds bietet das Haus zum Verkauf an. „Im Hinblick auf die politische Brisanz infolge der Historie des Areals ist eine intensive Prüfung der Gebote und Bieter erforderlich“, heißt es dazu in einem Bericht der Verwaltung. „Überdies ist mit Blick auf die sich verschärfende Flüchtlingssituation zu prüfen, ob die Liegenschaft sich zur vorübergehenden Notunterbringung eignet.“ Nach Angaben der Finanzverwaltung hat Brandenburg eine entsprechende Nutzung nach eingehender Prüfung jedoch abgelehnt.

http://www.morgenpost.de/berlin/article138989039/Berlins-zweites-Containerdorf-oeffnet-im-April.html