Wedding hilft

11.04.2015 Abendblatt

Als im Herbst 2014 die ersten Flüchtlinge in den Wedding kamen, war sich die Nachbarschaft schnell einig: Den Menschen, die vor Krieg und Vertreibung geflohen sind, muss geholfen werden. Als die Fabrik Osloer Straße dann im November 2014 zu einem ersten Vernetzungstreffen einlud, kamen mehr als 130 Menschen. Das Unterstützernetzwerk „Wedding hilft“ war geboren.

Enge Abstimmung
In den beiden Notunterkünften in der Gotenburger Straße und in der Pankstraße sind derzeit 330 Flüchtlinge untergebracht. Die Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtungen stehen im Zentrum der Bemühungen von Anwohnern und Initiativen aus der Nachbarschaft. „Wir wollen nicht die Arbeit der Notunterkünfte ersetzen. Doch die Einrichtungen haben zu wenig Personal und deshalb versuchen wir, zu unterstützen“, erklärt Felix Fuhg, eines der Gründungsmitglieder von „Wedding hilft“. In enger Abstimmung mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die die Notunterkünfte betreibt, versucht das Netzwerk, die vielen Hilfsangebote zu koordinieren. „Wir waren überrascht von der Resonanz“, sagt Felix Fuhg, der wie alle anderen in seiner Freizeit und ehrenamtlich für die Initiative tätig ist.

Nachgelassen hat das Interesse bisher nicht. Zu den monatlichen Treffen von „Wedding hilft“ kommen stets er mehr als 50 Menschen – und immer wieder neue Nachbarn dazu. „Wir haben uns inzwischen in Arbeitsgruppen (AG) organisiert“, erklärt Felix Fuhg. Es gibt die AG Sport, Spenden, Feste, Ämter, Sprache und eine Organisations-AG, wobei in jeder Gruppe etwa zehn Menschen mitarbeiten. Bei den monatlichen Runden Tischen tauschen sich die AG-Mitglieder aus.
Kleine Bibliothek

Rund um den Unterstützerkreis finden viele kleine, teils private Miniaktionen statt. So vermittelt Anna Asfandiar von der Nachbarschafts-Etage der Fabrik Osloer Straße Paten für die Flüchtlinge. Der bi‘bak e. V. in der Prinzenallee 59 lädt jeden zweiten Freitag zum interkulturellen Mittagstisch ein – gekocht wird von Flüchtlingen aus der Unterkunft in der Gotenburger Straße. Eine engagierte Nachbarin, eine Journalistin, überzeugte den Verlag Revolver Publishing aus dem Prenzlauer Berg, 70 Kunstbücher für eine kleine Bibliothek in der Unterkunft Gotenburger Straße zu spenden. Sie konnte außerdem Möbelbauer Rafael Horzon aus der Prinzenallee gewinnen, Regale zur Verfügung stellte. Aktionen wie diese sind rund um die Weddinger Notunterkünfte Alltag. Fast täglich halten Lieferwagen vor der Tür, um den Flüchtlingen zu bringen, was die Weddinger ihnen aus Hilfsbereitschaft geben wollen, um sie willkommen zu heißen. Übrigens: Der nächste Runde Tisch von „Wedding hilft“ findet am 21.April, 19 Uhr, in der Prinzenallee 58 statt.

http://www.abendblatt-berlin.de/2015/04/11/fremde-willkommen/
www.wedding-hilft.de