Brände in Heimen: Flüchtlinge verlieren Hab und Gut

15.04.2015 Berliner Zeitung

Innerhalb weniger Tage hat es in zwei Flüchtlingsheimen gebrannt. Am Dienstagnachmittag brach in einer Unterkunft für unbegleitete minderjährige Jugendliche in Lichterfelde ein Feuer aus. Die Bewohner wurden evakuiert, Verletzte gab es keine. Der Gebäudeteil in der Wupperstraße, in dem 60 Kinder und Jugendliche lebten, ist nun unbewohnbar.
Zuvor war in der Nacht zu Montag ein Feuer in einer Flüchtlingsunterkunft an der Köpenicker Landstraße in Treptow ausgebrochen. Dabei brannte eine Etage aus. Einer der 75 Bewohner musste kurzzeitig im Krankenhaus behandelt werden. Ausgelöst wurde der Brand wohl durch eine brennende Zigarette.
Dagegen steht die Brandursache in der Wupperstraße noch nicht fest. Im Landeskriminalamt, das die Ermittlungen übernommen hat, wird aber intern ein Anschlag zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgeschlossen. Auch hier könnte womöglich eine Zigarette das Feuer entfacht haben.

Rauchverbot in beiden Heimen
In beiden Heimen herrscht Rauchverbot. Die jungen Bewohner sind nun in einem Hostel untergebracht. Dort werden sie von Psychologen betreut. „Sie haben bei dem Brand ihr Hab und Gut verloren und sind verzweifelt. Manche sind kollabiert“, sagte Christa Schmidt, Geschäftsführern der Stiftung FSD, die das Heim betreibt.
Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) besuchte am Mittwochvormittag die Kinder und Jugendlichen, um sich zu erkundigen, was sie jetzt neben Kleidung am dringendsten benötigen. „Sie haben um Handys gebeten, um Kontakt mit ihren Eltern in der Heimat aufzunehmen“, berichtete die Senatorin.
Die Flüchtlinge, das jüngste Kind ist erst sieben Jahre alt, stammen fast ausnahmslos aus Kriegsgebieten, die meisten von ihnen aus Syrien. Die Kindergruppe war auf einem Ausflug, als das Feuer ausbrach. Die Jugendlichen hingegen hielten sich in dem in Leichtbauweise errichteten Dreigeschosser auf.
Am Mittag machte sich Scheeres vor Ort ein Bild von der Lage. Dort war am Morgen im zweiten Obergeschoss erneut ein kleineres Feuer ausgebrochen, es gab weiterhin Schwelbrände. Für die Kinder und Jugendlichen müsse zügig eine neue Unterkunft gefunden werden, sagte Scheeres. „Sie brauchen Kontinuität.“

Brandschutz teils unvollständig
Nach Angaben des Bezirksbürgermeisters von Steglitz-Zehlendorf , Norbert Kopp (CDU), soll der zerstörte Gebäudeteil wieder aufgebaut und zunächst ein Interimsstandort bezogen werden. Der zweite Teil des Hauses blieb weitgehend unversehrt. Dort waren in einem separaten Aufgang 75 Wohnungslose untergebracht, die nun vorübergehend beim Deutschen Roten Kreuz untergekommen sind. Das Zusammenleben von Flüchtlingen und Wohnungslosen sei reibungslos gewesen, sagte Jugendstadträtin Christa Markl-Vieto. „Es gab nie Kritik.“
Während es in der Einrichtung für die unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen laut Geschäftsführerin Schmidt eine mit der Feuerwehr verbundene Brandschutzanlage gibt, ist das in dem Heim der Arbeiterwohlfahrt in Treptow nicht der Fall. „Mitarbeiter haben die Feuerwehr alarmiert, die innerhalb von zehn Minuten da war“, sagte Regina Kneiding von der Senatssozialverwaltung. Die Bewohner kamen in anderen Einrichtungen unter.