John: Sprach- und Nähkurse für Flüchtlinge in Berlin

15.04.2015 Morgenpost
Sprach- und Nähkurse für Flüchtlinge in Berlin

Die Flüchtlingspolitik in Berlin darf nicht auf die Frage der Unterbringung reduziert werden, fordert Barbara John, die Vorsitzende des Paritätischen Landesverbandes. Das sei nur der erste Schritt.

Mehr als 300.000 Euro hat die Stiftung Parität Berlin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes seit Herbst vergangenen Jahres aufgewendet, um 30 Flüchtlingsprojekte in der Stadt zu unterstützen. Das berichteten am Montag Barbara John, Vorsitzende des Paritätischen Landesverbandes und dessen Geschäftsführer Oswald Menninger. In den kommenden Monaten würden voraussichtlich weitere Projekte im Umfang von 100.000 Euro hinzukommen, so Menninger. Die geförderten Initiativen reichen von Sprach- und Nähkursen für geflüchtete Frauen über Integrationsangebote für Kinder und ehrenamtliche Patenschaftsprojekte bis zur Betreuung traumatisierter Flüchtlinge.
Die Flüchtlingspolitik in Berlin sei auf die Frage der Unterbringung reduziert, sagte John. Dies könne aber nur der erste Schritt sein, wichtig sei, die Menschen in ihre neue Umgebung sozial zu integrieren. Dabei sei das Engagement von Ehrenamtlichen unverzichtbar, waren die Vertreter mehrerer Projekte überzeugt. Dazu seien auch erstaunlich viele Berliner bereit. Allerdings dürfe das nicht dazu führen, dass sich der Staat aus Aufgaben zurückzieht. So wolle niemand für Dolmetscher im Gesundheitswesen zahlen.
Beim Bau der Containerdörfer für Flüchtlinge sei die größte Aufgabe gewesen, die Nachbarschaft auf die neue Flüchtlingsunterkunft und die dort zu erwartenden Menschen vorzubereiten, sagte Gabriele Schlimper, stellvertretende Geschäftsführerin der Berliner Paritäter. Intensive Arbeit und die funktionierende Infrastruktur der Willkommensinitiative hätten dazu geführt, dass es keine der angedrohten Anschläge auf das Asylbewerberheim im Allende-Viertel in Treptow-Köpenick gegeben habe. Als die Flüchtlinge dann da waren, hätten sich sehr viele Freiwillige gemeldet, so Schlimper.
Barbara John formulierte Forderungen an den Senat. So müsse die gesundheitliche Versorgung der Flüchtlinge verbessert werden, etwa durch die Einführung einer Gesundheitskarte wie in Bremen. Ferner müsse es mehr Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Asylbewerber geben. Auch die Informationspolitik sei dürftig: Nicht nur Flüchtlinge, auch viele, die in Verwaltung und Politik mit dem Thema befasst sind, wüssten zu wenig über die Regeln zum Arbeitsmarkt.
Die Unterbringung von Flüchtlingen war am Montag erneut Thema im Sozialausschuss des Abgeordnetenhauses. Dort stellte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) den Plan des Senats vor, in den kommenden beiden Jahren bis zu 36 Flüchtlingsheime in Fertigbauweise auf landes- oder bundeseigenen Grundstücken zu errichten. Anders als beim Bau der Containerdörfer sollen letztlich die Bezirksbürgermeister über die Standorte der Heime entscheiden. Dazu bekämen sie Listen mit Angeboten von Liegenschaften, aus denen sie zunächst ein bis zwei Grundstücke aus ihrem Bezirk auswählen sollen, so Czaja. Mit Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg werde es dazu bereits in dieser Woche Gespräche in der Sozialverwaltung geben.

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