AWO fordert Kinderrechte in Berliner Unterkünften zu beachten

Die Arbeiterwohlfahrt betreibt in mehreren Berliner Bezirken Flüchtlingsunterkünfte und Aufnahmestellen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. „Dabei stellen wir immer wieder fest, dass die Gestaltung von angemessenen und menschenwürdigen Bedingungen für Familien und die Sicherstellung von Kinderrechten im deutschen Sozialrecht nur unzureichend verankert ist“, so AWO Landesgeschäftsführer Hans-Wilhelm Pollmann.

Im September 2014 kam das Kinderhilfswerk Unicef in seiner Studie über Flüchtlingskinder in Deutschland zu einem beschämenden Ergebnis: Das deutsche Asylrecht beinhaltet eine Nichtbeachtung des Kindeswohls und die Benachteiligung von Flüchtlingskindern gegenüber anderen Kindern z.B. in ihren Bildungsmöglichkeiten, Freizeitangeboten und bei medizinischer Versorgung.

Auch in Berlin werden Kinder und Familien zwar als „besonders schutzbedürftige Personen“ anerkannt, ihre besonderen Bedürfnisse werden bei der Unterbringung in Flüchtlingsheimen jedoch nur unzureichend berücksichtigt und finden keinen Eingang in die Gesetze und Verordnungen zur Ausstattung und Belegung von Sammelunterkünften.
Für minderjährige Kinder und Jugendliche, die unbegleitet von ihren Eltern nach Deutschland kommen, gibt es bisher den Schutz der Jugendhilfe: sie werden in stationären Jugendeinrichtungen untergebracht.

Die Arbeiterwohlfahrt fordert:

- von Beginn an in Flüchtlingsunterkünften eigene Räume für Familien schaffen
- keine Aufnahme von Kindern in Turnhallen und Großraumeinrichtungen. Hier haben Familien keinen Rückzugsraum und Kinder können sich nicht frei bewegen.
- Kindgerechte Räume zum Spielen als Standard in jeder Flüchtlingsunterkunft einführen
- Kinderbetreuung mit Fachkräften als Standard zur Verfügung stellen
- psychologische Betreuung für Familien und Beratungsangebote zum Berliner Kita- und Schulsystem in Flüchtlingsunterkünften regelhaft etablieren
- Schnelle Aufnahme in Schule und Kita sicherstellen
- Verlegungen in andere Stadtteile gefährden den Schulerfolg und verhindern die Integration der Flüchtlinge, sie gefährden auch die Akzeptanz der Bevölkerung und die Motivation der Helfer. Deshalb muss die Praxis der systematischen Verlegung beendet werden!
- das Wohl des Kindes in der Zuweisungspraxis sicherstellen
– Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge brauchen besonderen Schutz, deshalb müssen die Standards der Jugendhilfe erhalten bleiben
- die gesundheitliche Versorgung sicherstellen durch Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung. Dazu gehören auch Vorsorgeleistungen und Impfungen z. B. gegen Masern.

Die Arbeiterwohlfahrt fordert die Politik auf, hier Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Schutz und das Wohlergehen von Flüchtlingskindern und –jugendlichen sichern, Ausgrenzung und Isolation verhindern und Integration und Teilhabe an Bildung und gesellschaftlichem Leben ermöglichen – unabhängig davon, ob sie allein oder mit ihrer Familie nach Deutschland kommen.

https://awoberlin.de/Berliner-AWO-fordert-Kindeswohl-und-Kinderrechte-fuer-Fluechtlingskinder-sichern-863898.html